MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Gerhard und Karin Börnert

„Der Mensch ist zur Arbeit geboren, wie der Vogel zum Fliegen.“ (Marin Luther)

Gerhard und Karin Börnert

Werkzeugmacher, Ing. für Schwermaschinenbau
Industriekaufmann
An der Meline 18
04703 Leisnig

Im Jahr 1935 geboren, fiel die Kindheit von Gerhard Börnert in die Kriegs- und Nachkriegszeit. Die Mutter (Näherin) kümmerte sich alleinerziehend um den einzigen Sohn während der Vater (Maschinenschlosser) im Kriegsdienst und in der Gefangenschaft war. „Wir kennen noch Hunger“ erzählt Gerhard Börnert und berichtet vom Kartoffelstoppeln und Ähren lesen statt Spiel und Spaß. 1941–1949 besuchte er die Schule. Einen Berufswunsch hatte er nicht. „Meist lernte man damals das was der Vater von Beruf war, denn die Lehrstellen waren sowieso rar...“ erklärt er. Nach erfolgreicher Aufnahmeprüfung durchlief er eine Lehre zum Werkzeugmacher und wurde danach – als bester Lehrling – vom Ausbildungsbetrieb zur Arbeiter- und Bauern-Fakultät nach Leipzig delegiert. Er legte das Abitur ab, studierte danach Maschinenbau und schloss erfolgreich als Ingenieur für Schwermaschinenbau ab – trotz notwendiger Studienunterbrechung durch den frühen Tod seiner Mutter. Zwischenzeitlich in einem Leipziger Projektierungs- und Montagebüro (PKM) und ab 1962 in der Konstruktionsabteilung des VEB Elmo Maschinenbau tätig, wechselte er bald darauf als Operativtechnologe in die Wickelei und übernahm erst zeitweise, dann hauptamtlich Verantwortung im Werk III – bis 1990, seinem Eintritt in die EU-Rente. Seit 1961 mit Ehefrau Karin verheiratet, konnte sich dass Paar in den Jahren 1962–1971 über die Geburten der Kinder Jörg ( Beamter), Catrin (Köchin) und Axel (Dachdecker) freuen. Ihren Geburtstag können die Eheleute immer ganz groß feiern, denn er fällt auf den gleichen Tag. Nur, dass Karin Börnert (geb. Fischer) vier Jahre später wie ihr Mann geboren wurde. Auch die Kindheit der beiden verlief ähnlich: Vater im Krieg und in Gefangenschaft, Mutter alleinerziehend, Großeltern helfend, Hunger und Kampf ums tägliche Brot. 1945–1953 absolvierte Karin ihre schulische Ausbildung (vorwiegend Neulehrer mit geringen Erfahrungen, doch jung an Jahren und sehr ambitioniert) und lernte danach den Beruf Industriekaufmann im VEB Schmiedewerk „Hermann Matern“ Roßwein. Zwei Jahre blieb die junge Facharbeiterin im Ausbildungsbetrieb, dann wechselte sie in die Firma Industrieöfen Böhringen und später (im Zuge von Heirat und Wohnsitzwechsel) bis zur Geburt des ersten Kindes in die Abteilung Sozialwesen des Rates der Stadt Leisnig. Danach zur Erziehung und Betreuung der Kinder zu Hause, erhielt sie keinen Kindergartenplatz und dadurch auch keinen neuen Arbeitsplatz. Als Saisonarbeiterin besserte sie deshalb den Familienetat mit auf. Erst als das dritte Kind drei Jahre alt war erhielt sie einen Kindergartenplatz und konnte in den Arbeitsprozess zurückkehren. In der Verwaltung des Ostbau-Betriebes „Baumblut“ Leisnig war sie fortan bis zur Wende tätig und nach Schließung des Lagers Leisnig im Hauptbetrieb Dürrweitzschen weiter beschäftigt bis 1995. Die letzten vier Jahre bis zur Wende arbeitete sie in einem Obst-Großhandel. Sie blickt gerne auf ihre letzten Arbeitsjahre zurück. „Wir waren eine ganz dufte Truppe“ sagt sie und erzählt, dass sich die Kollegen noch viele Jahre getroffen haben. Ehepaar Börnert ist stolz auf das Geschaffene, vor allem aber auf die Kinder. Sie sind froh, dass alle Arbeit haben und es ihnen gut geht, denn die Sorge um den Nachwuchs ist nicht an deren Alter gebunden sondern liegt im Blut aller Eltern. Freie Zeit verbringen die Börnerts mit Klöppeln (sie) und Reparaturen und Basteln (er). Als persönliche Stärke nennen beide ihre Zufriedenheit, denn sie bedeutet Glück. Und wenn dann die Gesundheit noch stabil bleibt und sie sich noch lange an den fünf Enkeln erfreuen können, ist alles in Ordnung, finden sie.
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