MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Gerhard Börner

Die „90“ und die dicke „100“ werden fest ins Visier genommen

Gerhard Börner

mit Partnerin
Barbara Kießling
Pensionäre
Weststr. 12
04680 Colditz

Schon sein Geburtsdatum verweist auf Historie, die weit entfernt war von Freude und Frieden. Das Licht der Welt erblickte Gerhard Börner am 31.03.1936 in Leipzig. Die Kindheit begleiteten Krieg, Luftangriffe und unbeschreiblicher Hunger. Betteln und Hamstern war Alltag. Beim Bäcker ein paar Kuchenränder zu erbeuten, gehörte zu den glücklicheren Momenten und Kinderspiele fanden in Trümmerlandschaften statt. Als kleiner Junge übernahm er schon Hilfstätigkeiten, um sich einen Groschen verdienen zu können. Später baute er auf der Leipziger Kleinmesse für drei Mark Buden mit auf. Eine aufopferungsvolle Mutter gab ihr Letztes und trotzdem war Allernötigstes Mangelware. Nach Schulende wäre er gern Tischler geworden. Das Arbeitsamt wies ihm den Glaserberuf zu und Gerhard Börner hätte mit dieser Ausrichtung unglücklicher nicht sein können. Letztendlich war es wieder seine Mutter, die Einfluss nahm und ihren Sohn vor diesem Beruf bewahrte.. Er ließ sich in den Büssing Werken zum Dreher ausbilden, verrichtete ein Jahr Schwerstarbeit und fand einen Ausweg. Im damals legendären Café Korso in Leipzig stellte er ½ Jahr lang Bowle her, suchte sich einen neuen Arbeitsplatz als Hilfsschlosser in der Wollkämmerei und lernte seine spätere Frau – Keramikmalerin – kennen. Das Paar heiratete 1956 und Gerhard Börner zog zu seiner Helga nach Colditz. Er begann als Generatorbrenner im Porzellanwerk und fand sich erneut in einem anstrengenden und schmutzigen Beruf wieder. 1958 wechselte er in den VEB Hydraulik Rochlitz, hatte endlich die zu ihm passende Profession gefunden, blieb bis 1991 im Unternehmen und nutzte mit 55 Jahren eine Vorruhestandsregelung. Dennoch arbeitete Gerhard Börner noch lange Zeit nebenbei, vorrangig in der Versicherungsbranche. Bei seiner Klientel überaus beliebt, bestach er durch Freundlichkeit und Sinnhaftigkeit seines Handelns. Später stieg Tochter Ute ebenfalls ins Versicherungsgeschäft ein. Doch es lauerten schicksalhafte Jahre auf ihn. Seine ältere Tochter Gabriele verunglückte 1996 tödlich bei einem unverschuldeten Autounfall. Seine an Krebs erkrankte liebe Helga verlor er 1997. Der Tod ihrer Tochter hatte das letzte Fünkchen Lebensmut auch noch genommen. Ein Freund empfahl ihm: „Bleib nicht allein. Einsamkeit ist furchtbar!“ Und wirklich durfte Gerhard Börner an der Seite seiner Lebenspartnerin Barbara noch einmal glücklich werden. Gerhard Börner genießt seine Partnerschaft, sein schönes Haus und sein Grundstück, pflegt Hobbys, liebt insbesondere das Weihnachtsfest mit Kirchgang, geschmücktem Bäumchen sowie gutem Essen und möchte vorerst 90 Jahre alt werden. Dies allerdings, um anschließend die dicke „100“ ins Visier nehmen zu können.
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