MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Jutta Böhme
Zwischen Backofen und Ladentheke
Verkaufsstellenleiterin
Erich-Zeigner-Str. 58
09326 Geringswalde
In Klostergeringswalde (seit 1949 Ortsteil von Geringswalde, Mittelsachsen) kam sie als Jutta Gey 1929 zur Welt. Sie wuchs mit einem Bruder in einer Bäckermeistersfamilie auf, so bestimmten früh die Backstube und entsprechende Hilfsleistungen ihr arbeitsreiches Leben. Ostern 1936 ging es in die Schule, die im Nachbarort Hilmsdorf und teilweise im Klostergelände auf dem Eichberg besucht wurde. Ostern 1944 endete mit der 8. Klasse die schulische Ausbildung, der nun kein Lehrberuf folgte, denn für ihren Wunschberuf Säuglingsschwester gab es hier keine Möglichkeiten und der Vater brauchte sie im Geschäft. Sie ging ihm nun in der Bäckerei zur Hand, wo immer sie gebraucht wurde, fühlte sich wohl bei der Arbeit, denn der Vater sah sie als Kumpel. In besonderer Erinnerung blieben ihr die Zeiten vor Weihnachten, wenn bei der Stollenbäckerei auch die Adventssonntage nicht frei von Aufgaben waren. Als der Vater 1967 starb, musste die Bäckerei aufgegeben werden. Eine kurze Zeit half sie nun in der örtlichen Molkerei, dann wurde sie als Verkäuferin von der Klosterfiliale der Konsumgenossenschaft geworben, begann erst halbtags, später ganztags für bescheidene 1.61 DDR-Mark, der eine freundlich unsensationelle Anhebung auf 1.71 Mark folgte. 1976 wurde sie als Verkaufsstellenleiterin eingesetzt, für die folgenden 13 Jahre eine sie erfüllende Aufgabe. Als sie mit 60 Jahren im Oktober 1989 in Rente gehen konnte, folgte noch fast ein halbes Jahr im Laden, denn sie wurde gebraucht.
Ein Bäckermeister hatte in jungen Jahren sein Auge auf sie geworfen, aber sie wollte nicht, wollte keinen Geschäftsmann, weil es im Geschäft immer Ärger gibt. 1952 heiratete sie Hans Böhme, der als Werkzeugmacher bei den VWF Vereinigten Werkzeugfabriken tätig war, schon 1994 verstarb. Die Tochter Monika, 1950 geboren, erweiterte die Familie um drei Enkelsöhne und die wiederum um fünf Urenkelkinder. Ausgleich zur Arbeit in Backstube bzw. im Konsumladen wurden Jutta Böhme die lange Zeit liebevoll angefertigten Handarbeiten. Konnte sie früher dreizehn Reisen in die damalige Sowjetunion unternehmen, die ihren Horizont erweiterten, waren es später Flusskreuzfahrten mit Erlebnissen von Natur und Kultur. Noch immer genießt Jutta Böhme es, wenn sie mit Gleichgesinnten aus der Nachbarschaft bei Tagesfahrten mit dem Bus neue Entdeckungen machen kann.