MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Frank Böhme
Das wichtigste Instrument besitzt weder Saiten noch Tasten
Musikinstrumentenbauer i. R.
Pawlowstr. 56
04552 Borna
Fon: 03433 / 851996
Selber blieb es ihm leider versagt, ein Instrument spielen zu können. Wohnungsbau, das Dasein für die Familie oder weitere Gründe erforderten stets sein Agieren auf anderen Ebenen.
Doch Frank Böhme, geboren am 17.07.1933 in Lobstädt, ist gerechtigkeitsliebend, von Grund auf ehrlich und sehr zielorientiert. Somit kann er die Worte von Philip Dormer Stanhope, dem 4. Earl von Chesterfield, aus vollster Überzeugung unterstreichen: „Ein fester Vorsatz ist das wichtigste Instrument für Erfolg.“ Und dieses beherrscht er virtuos.
1939 in die Volksschule II eingeschult, wurde diese 1941 zu einem Lazarett umgebaut und mit vielen weiteren kriegsbedingten Unterbrechungen, worunter der Unterricht drastisch litt, war die schulische Ausbildung 1947 beendet.
Sein Wunsch, Tischler zu werden, ging nicht in Erfüllung, doch mit einer dreijährigen Ausbildung zum Instrumentenbauer in kleiner privater Firma blieb er dem wunderbaren Werkstoff „Holz“ treu und kreierte die wunderbarsten Musikinstrumente.
Nach der Lehrzeit im Betrieb verbleibend, konnte er 1996 auf 49-jährige Zugehörigkeit zum Unternehmen zurück schauen, was Frank Böhme stolz machte. Produziert wurden u. a. Harmonien, Spinette und Cembali, wobei die Herstellung insbesondere der Harmonien 1964 wegbrach. Sehr warmluft- und feuchtigkeitsempfindlich, setzte sich allmählich das wesentlich robustere Keyboard durch. Mit dem Traditionsunternehmen Blüthner kooperierend, ging die Arbeit nicht aus. Monatlich verließen ca. 30 Instrumente die Werkstatt, wobei die eine Hälfte in den Westen, die zweite nach Russland exportiert wurde. Letzte Veredelung erlangten die Klangwerkzeuge dank eines versierten Malers, der ihnen durch Goldverzierungen weiteren Prunk verlieh. Private Kundschaft gehörte eher weniger zu den Auftraggebern.
Die Geschichte des Unternehmens war wechselvoll und damit u. a. begleitet von Verstaatlichung oder späterer Reprivatisierung. Frank Böhme nahm alle Hürden, galt als versierter Fachmann, wurde als Experte stets bei auftretenden Problemen hinzu gezogen und löste sie immer.
In der Freizeit betrieb er in jungen Jahren Leichtathletik und schenkte selbige ab 1954 seiner Ehefrau sowie Tochter Kerstin, die u. a. seinen Humor zu schätzen wussten. Er liebt humorvolle Menschen, ist selber mit reichlich Witz ausgestattet und vor allem kann auch gut über sich selber lachen.
Kurz vor seinem 83. Geburtstag ist Frank Böhme interessiert wie eh und je, informiert sich regelmäßig über Rundfunk, Fernsehen und die Presse über das aktuelle Geschehen und bespielt weiterhin bravourös das wichtigste Instrument – eines das nicht über Saiten oder Tasten verfügt.