MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Margot Böhme

Alt werden und selbstständig bleiben – das wäre es!

OT Sollnitz
Mildenseer Str. 13
06842 Dessau
Fon: 034906 / 21057

Als Tochter 1929 in einer Landwirt-Familie geboren, erlebte Margot Böhme noch eine Schulzeit, in der mehrere Klassen und Altersstufen in einem Raum unterrichtet wurden. „Ich wundere mich heute, dass ich da überhaupt Lesen und Schreiben gelernt habe“, berichtet sie und dass nach der 8. Klasse Lernen auf dem Rittergut angesagt war. Sie sollte erfahren, was ein landwirtschaftlicher Haushalt erforderte wie er zu führen ist. In der Landwirtschaft erlebte sie danach harte Zeit, wie sie sagt. Schwere körperliche Arbeit und Einsatz, egal ob Sonn- oder Feiertag war. In der LPG in der Schweinzucht tätig, war sie oft von früh bis spät im Stall. Und auch manche Nacht verbrachte sie im kalten Schweinestall, weil die Sauen ferkelten und sie Obacht geben musste, dass die Ferkel nicht zerdrückt wurden. „Ich wurde ja nach Endprodukt bezahlt“, erklärt sie die Notwendigkeit. Und auch von den Einsätzen, die in Notsituationen selbstverständlich waren, wie z. B. bei dem großen Brand 1947, der fast die gesamte Oranienbaumheide erfasste. Bei der Bekämpfung desselben hat sie ein Pferdefuhrwerk geführt, denn die Waldwege mussten gepflügt werden, jede Hilfe wurde gebraucht. Im Jahr 2000 wurde sie gebeten für die Festschrift „950 Jahre Sollnitz“ einen Beitrag zu den damaligen Geschehnissen beizusteuern. Öfter hat sie solche Situationen wie die 1947 erlebt, wo Not entstand und die Menschen zusammenrückten, um Herr der Situation zu werden. Die Hochwasser im Juni 1954 und im August 2002 sind ihr da gut im Gedächtnis geblieben. Es war nicht einfach möglich, den Hof zu verlassen. Die Tiere mussten mit evakuiert werden! Dem Hochwasser 2013 hat sie getrotzt. Noch einmal wollte sie das alles nicht durchmachen. Sie folgte der Räumungsaufforderung nicht, vertraute auf die Fähigkeit der Verantwortlichen von Hochwasserschutz, Feuerwehr und Gemeinde. Sie war damals bereits auf sich alleine gestellt, denn die 1949 eingegangene Ehe war 1973 geschieden worden. Zuvor war sie erkrankt, konnte die schwere Arbeit im Stall nicht mehr ausführen und arbeitete zunächst als Melkerin. Das Angebot in der Sommersaison in einem Betriebsferienheim in der Küche tätig zu sein nahm sie gerne an. Sieben Jahre war sie so glücklich, doch dann bat ihr Vater um Rückkehr auf den elterlichen Hof. Die Mutter war gesundheitlich nicht mehr in der Lage diesen zu führen, bedurfte der Pflege. „Das war nicht immer einfach“, erinnert sich Margot Böhme, und ist heute noch gerührt von der Dankbarkeit ihrer Mutter. Ob sie selbst einmal so viel Unterstützung genießen dürfen wird, ist heute leider nicht absehbar. Die beiden Söhne wohnen zwar im unmittelbaren Umfeld, doch der Familienzusammenhalt hat unter der Scheidung gelitten. Aber vorerst ist sie noch rüstig genug, alleine klar zu kommen und ihre Tiere zu versorgen. Die Hunde Motte und Kajsa und die Katze sind ihre Begleiter, die dreißig Hühner und drei Schafe erfüllen den Zweck der Selbstversorgung, bis auf ein Schaf: Das bekommt der Enkel jedes Jahr zum Geburtstag.
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