MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Dr. Hartmut Böhl
Über Umwege ans Ziel
Facharzt für Urologie
07548 Gera
Die Freundschaft mit den Söhnen des Landarztes weckte den Wunsch in Hartmut Böhl, diesen Beruf zu wählen. Doch waren die Wege nicht einfach. 1943 in Erfurt geboren, verlor er den Vater in jungen Jahren. Der Kaufmann und Teilhaber einer Neudietendorfer Aromatique-Fabrik wurde 1946 von der sowjetischen Administration als angeblicher Rädelsführer einer Verschwörung gegen die Besatzungsmacht verhaftet, erst zum Tode verurteilt, dann zu zwanzig Jahren Sibirien begnadigt, starb aber 1948 im Lager Sachsenhausen (Speziallager Ost). So wuchs der junge Hartmut mit zwei Schwestern, aber ohne Vater auf. Die Schule besuchte er bis zur Mittleren Reife. Der zeichnerisch begabte junge Mann überlegte noch, in einen künstlerischen Beruf einzusteigen, lernte aber erst einmal Maschinenschlosser am Ort, konnte dazu an der Erfurter Volkshochschule im Abendstudium das Abitur nachholen. Seine erste Bewerbung an der Medizinischen Fakultät der Leipziger Universität scheiterte. An der Medizinischen Akademie Erfurt widmete er sich als Hilfspfleger praktischen Erfahrungen im gewünschten Metier, absolvierte dann an der Medizinischen Schule Eisenberg eine Ausbildung zum Physiotherapeuten. Dann bewarb er sich neu, studierte bis zum Physikum in Leipzig und schloss an der Medizinischen Akademie Erfurt 1972 mit dem Staatsexamen ab. Zur Facharztausbildung als Urologe ging er an das Bergarbeiterkrankenhaus Gera. 1981 wechselte er zum Nachbehandlungszentrum für Geschwulstkrankheiten auf Schloss Weißenburg in Uhlstädt-Weißen. In dieser Rehabilitationseinrichtung widmete er sich der Behandlung krebskranker Menschen. 1987 ging Dr. Böhl zurück nach Gera, wurde Leiter der Abteilung Urologie in der Bergarbeiterpoliklinik Gera und ab 01.01.1988 auch Chefarzt dieser Einrichtung. Die Umstrukturierungen im Gesundheitsbereich nach 1990 führten ihn als Leitenden Arzt des Sozialmedizinischen Dienstes der Bundesknappschaft in deren Außenstellen Chemnitz und Gera. Eigene gesundheitliche Probleme führten dazu, dass er ein Jahr vorzeitig in Rente ging. Durch eine Operation konnten 2011 wesentliche Störungen seines Gesundheitszustandes behoben werden.
Mit Leidenschaft übte er die Jagd im Gemeinschaftsjagdbezirk (GJB) Karlsdorf bei Neustadt / Orla bis 2015 aus. Doch freut er sich, seit einigen Jahren seine künstlerische Ader beim Malen wiederentdeckt zu haben. Seit 1968 ist er mit Frau Gabriele, einer Journalistin, verheiratet. Die beiden Söhne Hagen (1969 geboren) und Stephan (1973), inzwischen drei Enkelkinder bereicherten das Familienleben.