MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Ursula und Wolfgang Bähr
„Glück ist „Ja!“ sagen zu dem, was ist.“ (Nina Sandmann)
Clara-Zetkin-Str. 13
04741 Roßwein
Ursula Bähr, 1947 als Tochter einer Dreherin und kurz nach Kriegsende geboren, wuchs Vaterlos auf und hat nicht kennen lernen können, Träume zu verwirklichen. Lehrerin zu werden, war durch dafür nicht ausreichende schulische Leistungen, aber auch durch die Notwendigkeit Geld zu verdienen, ausgeschlossen. So wurde sie nach Schulabschluss jugendliche Arbeiterin in einem Textilwerk, arbeitete als angelernte Weberin. Sie nutzte später die im Betrieb angebotene Möglichkeit einen Facharbeiterabschluss zu erlangen, blieb so ausgebildet der Branche treu. Ihre Arbeit als Weberin und Spulerin konnte sie bis 1992 ausüben. Dann war auch sie vom Arbeitskräfteabbau betroffen. Mit ABM und 1–€–Jobs überbrückte sie die Zeit bis zur Rente, denn eine Festeinstellung konnte ihr nie mehr vermittelt werden. Ehemann Wolfgang, geboren 1949, mit dem sie seit 1980 verheiratet ist, wäre gerne Bäcker oder Koch geworden. Die Eltern dachten da eher praktischer und empfahlen einen handwerklichen Beruf zu lernen. So wurde Wolfgang Bähr Ofensetzer, fing nach dem Abschluss der Ausbildung in der Spritzerei / Lackiererei im Elektromotorenwerk Hartha (ELMO) an, um besseres Geld zu verdienen. Unterbrochen von dem Pflichtdienst bei der Armee, blieb er im VEB ELMO tätig, nutze ebenfalls die betrieblich gebotene Möglichkeit auf Qualifizierung und absolvierte eine zweite Facharbeiterausbildung zum Zerspaner. 1990 wurde der VEB ELMO in eine GmbH umgewandelt und 1991 nach mehreren Streiks endgültig geschlossen. Damit endete sowohl das Beschäftigungsverhältnis von Wolfgang Bähr als auch die Illusionen, die zuvor die Wende heraufbeschworen hatte. Ursula Bähr erinnert sich noch, wie sie von der Spätschicht kam, den Fernseher anmachte und von der Grenzöffnung erfuhr. „Ich habe es nicht fassen können, nur noch geheult...von den Leipzig-Demos hatte man gehört, aber in unserer Provinz war ja nichts zu merken....“, sagt sie heute. „Jetzt geht es uns besser...“ habe sie gedacht und niemals, „dass wir alle die Arbeit verlieren....“. So folgte auf das Westgeld die Ernüchterung. Tochter Catarina (geb. 1967) war auch betroffen, denn sie arbeitete als Verkäuferin im KONSUM, der ebenso umstrukturiert wurde, wodurch sie damals auch ihren Arbeitsplatz verlor. Heute lebt sie in Bayern. Familie Bähr hat ihre Freude mit ihrem Garten und der Enkelin gefunden, die bereits ihren Bachelor gemacht hat, jetzt auf den Master hinarbeitet und damit einer besseren Zukunft entgegengeht. Ursula und Wolfgang Bähr sind seit 20 Jahren Mitglieder im Kaninchenzuchtverein, Ursula Bähr wurde mit der Ehrennadel des Zuchtvereins ausgezeichnet. Beide bedauern, dass es ihrem Verein an Nachwuchs in der Mitgliederschar mangelt. Die Jugend sei für so etwas nicht mehr zu begeistern, erzählen sie. Doch für sie bleibt es das Hobby, dem sie noch lange nachgehen wollen und ihr Ziel ist es, darüber gemeinsam und gesund die Goldene Hochzeit zu erreichen.