MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Rosemarie Bäuml
Sie hörten mich nicht, aber sie hörten auf mich
Lehrerin für gehörlose Menschen
Rentnerin
Fuchsbergeweg 17
12683 Berlin
In Schönlanke (heute Republik Polen) ist Rosemarie Bäuml 1930 zur Welt gekommen. 1933 verlor sie die Mutter durch Selbstmord. Als Flüchtling geriet sie nach Mecklenburg-Vorpommern, als Vollwaise. Sie hatte 1939/45 das Lyzeum besucht, für neun Monate als Landarbeiterin geholfen, kam, da noch nicht volljährig in ein Kinderheim, in dem sie sich bereits als Helferin bewähren konnte. Die Arbeit mit den Kindern wurde zu ihrer Herausforderung, für die sie sich durch eine Ausbildung als Kindergärtnerin qualifizierte, 1951 abgeschlossen.
Danach arbeitete sie in dem Heim, absolvierte noch eine Weiterbildung zur Leiterin, wechselte dann in ein Heim, in dem vorwiegend Waisen bzw. Kinder waren, die von ihren Eltern in Kriegs- und Nachkriegszeit getrennt wurden, Rosemarie Bäuml begleitete einige von ihnen, als die Familienzusammenführung möglich wurde. Neue Aufgaben erwarteten sie in einem Heim mit angeschlossener Schule für gehörlose Kinder. Hier konnte sie als Erzieherin einsteigen. Zwar beherrschte sie nicht die Gebärdensprache, die die Kinder und Jugendlichen vor allem untereinander benutzen, aber diese lasen von ihren Lippen und lernten von ihr das Sprechen. Sie unterrichtete in den Klassenstufen 1- 4, qualifizierte sich für diese Tätigkeit zusätzlich durch ein Universitätsstudium.Sie erinnert sich, dass dies in der DDR möglich war, ohne finanziell dafür aufkommen zu müssen. In der einzigen auf diese Klientel spezialisierten Schule DDR-Berlins widmete sie sich besonders dem Mathematik- und Deutschunterricht. Über mehrere Jahre fungierte sie auch als stellvertretende Direktorin, war auch für die nachschulische Freizeitgestaltung mit verantwortlich und wurde mit der Pestalozzi-Medaille geehrt.
Mit 60 Jahren ging sie planmäßig 1990 in Rente, arbeitete aber noch 10 Jahre für das Meinungsforschungsinstitut Forsa, machte Umfragen bei Menschen in deren häuslicher Umgebung, später am Telefon.
Sie hatte in der Jugend Leichtathletik betrieben, auch mit Freude im Chor gesungen. Als Rentnerin fand sie Freude am Malen. Ihre Liebe zu Kindern, sie hat zwei eigene aufzuweisen, drei Enkel und drei Urenkel, spiegelte sich auch in ihrem Engagement für die Kinderfeste ihrer Siedlung. Auch mit dem Vorstand des Siedlervereins arbeitete sie zusammen, trug die Siedlerzeitung aus. Die Arbeit im Garten macht sie bis zum heutigen Tag gern.