MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Ingeburg und Rudi Bühlmann

„Die Jahre drehen sich wie ein Rad – der Frühling bleibt nur eine kurze Weile.“ (Fernöstliche Weisheit)

Ingeburg und Rudi Bühlmann

Stenotypistin
Dipl.-Landwirt
Kreuzermark 5
09599 Freiberg

Rudi Bühlmann kam als jüngstes von fünf Kindern eines Schweizers (sein Beruf und seine Staatsbürgerschaft) und einer Landwirtin 1938 in Langenwolmsdorf zur Welt. 1944 zog die Familie nach Hirschfeld. Hier besuchte er 1944–1952 die Schule, erlebte die letzten Kriegstage und die Nachkriegszeit. Er erinnert sich an die Bombardierung Dresdens und hat bis heute den rot gefärbten Himmel in Erinnerung und das Dröhnen der Bomber in den Ohren. 1952–1954 lernte der junge Mann auf dem Staats-, später Volksgut, Hirschfeld Landwirtschaft und wurde danach zum Studium an die Landwirtschaftliche Fachschule Meißen (1955–1958) delegiert. Nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung, nun Staatlich geprüfter Landwirt, wurde Rudi Bühlmann in eine LPG Typ I in Jenkendorf bei Niesky vermittelt. Sein Bestreben weiter zu studieren scheiterte erst an seiner Schweizer Staatsbürgerschaft (als Sohn eines Schweizers automatisch erhalten), doch ein Schreiben an das Fachschulministerium sorgte für Abhilfe und Studienzulassung. An der Universität Jena studierte er (kombiniertes Direkt- und Fernstudium) und arbeitete nach den ersten zwei Jahren bereits wieder parallel in der Praxis, nun im Volksgut Gamig im Kreis Pirna. Eine glückliche Fügung, denn hier lernte er seine Frau Ingeburg kennen. Als Diplom-Landwirt kehrte er in seinen Delegierungsbetrieb zurück, doch seine Abteilungsleiter-Stelle war indessen besetzt und ihm wurde freigestellt sich neu zu orientieren. Das tat er, wurde 1964 in der LPG „Vereinte Kraft“ (Typ I) in Colmnitz tätig und mit jungen 26 Jahren bereits als Vorsitzender eingesetzt. Im gleichen Jahr heiratete er seine Frau, Tochter Anett (Krippenerzieherin, ein Kind) wurde geboren. Ein Jahr später folgte Tochter Simone (Bürokauffrau, ein Kind). Die junge Familie wohnte unter sehr schlechten Bedingungen, hatte nicht einmal einen Ofen in der Stube. Änderung war dringend nötig. Die erfolgte 1967 mit Umzug nach Halsbach und weiterem Einsatz als LPG-Vorsitzender 1967–1976. Nach Strukturänderungen innerhalb der LPG arbeitete Rudi Bühlmann in der Feldwirtschaft weiter. Als Vorsitzender der LPG wurde er jedoch nicht mehr eingesetzt, da er als Schweizer Staatsbürger Ausländer war. Jegliche Entwicklung fiel fortan diesem „Makel“ zum Opfer, denn er war nicht die Schweizer durch die DDR-Staatsbürgerschaft zu ersetzen. Rudi Bühlmann wollte sich schlichtweg so nicht dazu nötigen lassen. Die Leitung der Feldwirtschaft oblag ihm bis zur politischen Wende in der DDR. In der aus der LPG hervorgegangenen Agrargenossenschaft wurde er danach wieder Vorsitzender und übte diese Funktion bis 1995 aus. In dem Jahr wurde die Agrargenossenschaft aufgelöst, Rudi Bühlmann wurde mit der Auflösung beauftragt und war damit bis zum 64. Lebensjahr in Arbeit. Danach ein Jahr arbeitslos, ging er folgend in Rente. Beschäftigung hatte er auch so genug. Die Familie hatte ein großes Grundstück gekauft, sanierte und rekonstruierte und freut sich heute über das schöne Wohnen. Ingeburg Bühlmann kann hier auch ihre Kreativität gut ausleben. Sie wurde 1944 in Dohna geboren und wuchs als Stadtkind (Dresden) in einem Neubau auf. Der Vater arbeitete als Monteur, die Mutter als Fischverkäuferin, was sie viele Beziehungen knüpfen ließ. Auch für Ingeburg und ihren Bruder ein Vorteil, denn der Familie mangelte es dadurch an nichts. Das Mädchen Ingeburg besuchte 1950–1960 die Schule, wollte Kindergärtnerin werden. Das dafür erforderliche Landjahr zuvor absolvierte sie im Volksgut Gamig, wo sie ihren Mann kennenlernte und ihre Pläne änderte. Er und die Familiengründung standen nun im Vordergrund. Im Sachsenwerk arbeitete die junge Frau kurze Zeit und nach der Hochzeit und den Geburten der Mädchen in der Gemeinde Halsbach als Sachbearbeiterin. Nach der Eingemeindung wurde sie im Tiefbauamt Freiberg beschäftigt, ging 2004 mit Abzügen in die Rente. Die Bühlmanns gehören zu einer Generation, die sich alles pö a pö selbst und mit viel Fleiß aufgebaut hat, Mangel kennenlernte und doch mit manchmal wenigem immer zufrieden war. Sie wurden zu Respekt, Zielstrebigkeit, Ehrlichkeit und Freundlichkeit erzogen und haben stets danach gelebt. Sie sind ausgeglichen, freuen sich an den Kindern, Enkeln und Urenkeln. Der Sauna-Mittwoch ist für den lebenslang aktiven Fußballer Rudi Bühlmann zum Ritual geworden. Ingeburg nutzt freie Zeit um gestalterisch tätig zu sein. Wenn auch das Haus wohl einmal nicht von den Kindern oder Enkeln übernommen wird, das eigene Familienwappen wird es ganz sicher!
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