MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Karin Bühner
Am Ende des Tages mit Stolz auf ein Lebenswerk blicken
Klingenthaler Str. 34 a
06119 Halle / Saale
Karin Bühner träumt als Kind davon, einmal Krankenschwester zu werden, doch die Mutter lässt dies nicht zu, so beginnt sie eine Lehre bei der Post, die sie nach zwei Jahren als Postfacharbeiterin abschließt. Sie ist sehr stolz auf die ersten selbstverdienten 201 Mark. Doch die ehrgeizige junge Frau möchte mehr aus sich machen, ab 1960 besucht sie in Naumburg die Fachschule für den mittleren Postbetriebsdienst, später trägt sie im Dienst eine Uniform. Karin Bühnert identifiziert sich zeitlebens sehr mit ihrem Beruf und sieht die neuen Entwicklungen bei der Post mit sehr viel Skepsis. Sie muss noch heute schmunzeln, wenn sie an die Experimente nach der Wende denkt, bei denen die Postkunden jeden Tag eine halbe Stunde zur Post laufen sollen, um ihre Briefe und Pakete aus so genannten Briefanlagen abzuholen.
Nach dem Abschluss der Fachschule leitet Karin Bühner kurzzeitig ein Postamt. Im Jahr 1960 lernt sie ihren Mann Dirk kennen, der Schwiegervater besteht darauf, dass erst dann geheiratet wird, wenn dieser sein Ingenieurstudium erfolgreich abgeschlossen hat. Am 29. Februar 1968 kommt die Tochter Kerstin zur Welt. „Sie hat nur alle vier Jahre Geburtstag“ scherzt die Mutter mit Anspielung auf das damalige Schaltjahr. Kerstin arbeitet heute als Krankenschwester. Sohn Jörg folgt im Jahr 1973, er wird später Ingenieur, insgesamt gehören drei Enkelsöhne zur Familie. Nachdem die Kinder aus dem Gröbsten raus sind, absolviert Karin Bühner ein dreijähriges Frauensonderstudium in Halle-Neustadt auf dem Gebiet der Technik und Technologie des Post- und Zeitungswesens, das sie als Ingenieurin abschließt. Jetzt hat sie die Möglichkeit, im gehobenen Dienst zu arbeiten und wird in der Direktion in Halle eingesetzt, wo sie die Einführung der EDV hautnah miterlebt.
Nach 1990 lernt Karin Bühner den westlichen Postbetriebsdienst in Karlsruhe kennen, den sie sehr kritisch bewertet. In regelmäßigen Abständen muss sie sich nun immer wieder neu bewerben. Karin Bühner geht am 1. Januar 1997 in den Vorruhestand und mit 60 in die Rente. Es tut ihr weh, wenn sie sieht, wie die oft imposanten Postgebäude, die einst das Stadtbild geprägt haben, verfallen. Die Zusteller arbeiten jetzt für einen Hungerlohn in Subunternehmen.
Doch Karin Bühner lässt sich davon nicht unterkriegen. Durch ihre langjährige Arbeit hat sie sich einen großen Bekanntenkreis aufgebaut. Sie treibt nach wie vor Sport, freut sich immer wieder über die Entwicklung ihrer Enkelkinder und verbringt überhaupt sehr viel Zeit mit der Familie. Auch die Geburtstage der verstorbenen Eltern und Schwiegereltern werden begangen. Karin Bühner ist fest entschlossen, einmal 104 Jahre alt zu werden.