MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Siegfried Butler
„Kopf hoch, nicht die Hände!“ (Gregor Gysi)
Haferweg 40 b
06116 Halle
Fon: 0345 / 5600853
Siegfried Butler wurde 1932 in Riga geboren, in der Heimat noch in eine lettische Schule eingeschult und erlebte 1939 die Umsiedlung seiner Familie nach Deutschland. Grund war der Hitler-Stalin-Pakt mit seinem geheimen Zusatzprotokoll in dem territorial-politische Umgestaltungen vereinbart waren, die letztendlich auch die Überführung von ethnischen Minderheiten in den eigenen Machtbereich beinhalteten. Das größte Erlebnis in Deutschland war das Schreiben und Löschen (mit Schwamm) auf der Schiefertafel. Vorerst in Pommern angesiedelt, erfolgte hier die Überprüfung der arischen Abstammung. Die Vorführung vor ein SS-Rassenkenner-Gremium mit nacktem Vorbeimarsch der gesamten Familie überstanden nicht alle Umsiedler. Einige sah man nie wieder und kann nur erahnen, welche Greul deren Umzug nach Deutschland nach sich zog. Als Ost- und Sprachenkenner wurde Familie Butler im Warthegau angesiedelt. Vater Butler wurde zum Kriegsdienst eingezogen, Mutter Butler eröffnete einen Blumenladen, und Siegfried Butler setzte seinen Schulbesuch fort. Die scheinbare Idylle dauerte nicht lange. Im Januar 1945 kam die Weisung, dass innerhalb einer halben Stunde der Ort zu verlassen sei. Nur was man tragen konnte, durfte mitgenommen werden. Tausende Menschen waren auf der Flucht, Transportmöglichkeiten kaum zu ergattern. Eine Odyssee begann, die vorerst in Cottbus endete und auf der Flucht vor den Russen weiterführte. Siegfried Butler erinnert sich an die Bombardierung von Cottbus und Dresden, an das Beben der Erde, das Entsetzen der Menschen und die anglo-amerikanischen Tiefflieger, die Jagd auf die Flüchtenden machten. Der letztendliche Zufluchtsort Weißenfels ergab sich durch die möglichen Zugverbindungen und wurde kurz neue Heimat für die Familie. Nach der Rückkehr des Vaters aus dem Krieg und seiner Anstellung in Leipzig zog die Familie in diese Stadt und mit seiner Versetzung nach Halle hierhin. 1951 legte Siegfried Butler dort das Abitur ab, mit dem Wunsch, Bauingenieur zu werden. Die Zeit bis zum Erhalt des Studienplatzes überbrückte er, indem er eine Maurerlehre begann. Menschlich und handwerklich war es die lehrreichste Zeit, empfindet er heute. Das Studium 1952–1958 an der TH Dresden beendete er als Dipl.-Bauingenieur. 1956 hatte er zudem am Zentralinstitut für Schweißtechnik in Halle den Schweißfachingenieur erlangt. Als Statiker nahm er die Arbeit im Leipziger Kirow-Werk – einem Schwermaschinenbaubetrieb – auf und pendelte 20 Jahre lang zwischen dem Wohn- (Halle) und Arbeitsort ( Leipzig). Seit 1958 mit der Arztsekretärin Eva (verstorben 2000) verheiratet und Vater von drei Kindern, war er das Pendeln endlich leid, trat bei der Bauaufsicht Halle eine Stelle als Prüfingenieur an. Die frühere Begleitung der Entwicklung der Rapid-Baukrane (Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre) im Leipziger Schwermaschinenbau führte zu einer Ausstattung mit einer Generalvollmacht, Verantwortung für alle Rapid-Krane in der gesamten Republik zu übernehmen, deren normative Lebensdauer inzwischen abgelaufen war. Er beschäftigte sich nun mit Restlebensdauer, Bruchmechanik und war zu dem Zeitpunkt der einzige praktisch tätige Spezialist der DDR für Risse an Konstruktionen. Vom Bauministerium erhielt er die Zulassung als Sachverständiger. Für die Bauakademie fungierte er als Gutachter im Kernkraftwerksbau. Die Wende erlebte er als Mitarbeiter beim Kernkaftwerksbau und als Mitglied einer RGW-Kommission. Als Parteiloser einerseits und fachlicher Spezialist andererseits, wurde er stellvertretender Dezernent für Bauwesen im Staatsapparat, machte sich 1991 mit einem Ingenieurbüro und als Gutachter selbstständig, arbeitete so bis zu seinem 76. Lebensjahr und bewies den in die neuen Bundesländer kommenden Westdeutschen, die nicht immer „die Creme waren“, „was ein Russe aus der Ostzone kann“. Er war Mitbegründer der Ingenieurkammer des Landes Sachsen-Anhalt, Vorsitzender des Sachverständigenausschusses, Mitglied des Zulassungs- und Prüfungsgremiums für Prüfingenieure.