MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Rosemarie / Rosi Buchelt

Den Menschen zu ihrem Recht verhelfen

Rosemarie / Rosi Buchelt

Diplom-Lehrerin
Heinrichstr. 39
07545 Gera

Fon 0365 / 4202820

„Ich will nur Rosi genannt werden, Rosemarie geht mir auf den Geist“, sagt die studierte Pädagogin, bevor sie das Gespräch überhaupt beginnt. Und dieses entpuppt sich dann als ein Spiegelbild deutscher Kriegs- und Nachkriegsgeschichte. Rosi Buchelt wächst in Maltsch an der Oder auf, die Eltern arbeiten bei der Schifffahrt. Die Spur des Vaters verliert sich in den Kriegswirren, die Mutter bleibt mit den Kindern allein. Im Jahr 1947 muss die Familie ihre Heimat verlassen, sie werden von den Polen regelrecht „gepiesackt“, erinnert sich Rosi Buchelt heute. Immer noch hat sie die Bilder dieser Drangsal genau vor Augen, obwohl diese Ereignisse inzwischen ein halbes Jahrhundert zurückliegen. Im Jahr 1947 kommt sie mit ihren Angehörigen in Gera an. Auch hier ist es nicht leicht. Rosi Buchelt muss oft barfuß zur Schule gehen und wird wegen ihres schlesischen Dialekts von den Mitschülern gehänselt. Seitdem bringt sie sehr viel Verständnis für Menschen auf, die vor Krieg, Not und Verfolgung geflohen sind und hilft seit einigen Jahren in einem Asylbewerberheim mit, wo sie die Bewohner in der deutschen Sprache unterrichtet. Ihre Bekannten sind immer wieder erstaunt, wenn sie erzählt, dass sie dies ehrenamtlich tut. In ihrer neuen Heimat legt Rosi Buchelt das Abitur ab. Sie will eigentlich Juristin werden, da sie schon immer Menschen professionell helfen will, ihr Recht zu finden. Doch dann entscheidet sie sich für die Pädagogik. Zunächst lernt sie am Weimarer Institut für Lehrerbildung ein Jahr intensiv die russische Sprache und absolviert dann eine relativ schnelle aber sehr gute Ausbildung. „Dies hatte auch seine Gutes und ich denke immer noch sehr gern zurück“, erinnert sie sich an den schönsten Abschnitt ihres Lebens. Erste praktische Erfahrungen sammelt Rosi Buchelt in Waida, wechselt dann als wissenschaftliche Mitarbeiterin an das Institut für Slawistik und engagiert sich schließlich in der Abteilung Volksbildung des Kreises Gera-Land bei der Weiterbildung ihrer Kolleginnen und Kollegen. Rosi Buchelt hat nie eine Familie gegründet, sondern sich immer auf ihren Beruf konzentriert. Mit ihrem Auto hat sie ab 1990 ganz Deutschland erkundet, während ihre Verwandten im Westen den östlichen Landschaften eher gleichgültig gegenüberstehen. „Die Grenze ist immer noch da“, meint die Pädagogin dazu. Aufgrund ihrer Sehschwäche kann sie nicht mehr richtig lesen, will sich aber auch mit den Hörbüchern nicht anfreunden. Stattdessen bekocht sie nun gute Freunde und Bekannte. Rosi Buchelt mag vor allem ehrliche und zuverlässige Menschen und kann sich kann sich an heute verbreiteten „Denglisch“ überhaupt nicht gewöhnen.
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