MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Heinz Burchardt
Das erste Paddelboot mit 12 Jahren gebaut – ein Handwerksmeister mit Geschick und Genauigkeit
Schäferstr. 8
06886 Lutherstadt Wittenberg
Fon: 03491 / 403686
Heinz Burchardt wurde 1929 geboren und schloss die 8. Klasse in einer Zeit ab, als Kriegsgeschehen die Zukunft der jungen Menschen beeinflussten. Tischlermeister Vater Ernst hatte bereits die – durch die Fertigung der Kirchenbestuhlung der Kirche Wittenberg und einer Kirche in Jerusalem – bekannte Tischlerei Wust übernommen und der Sohn hätte sich gerne auf die Fortführung der Familientradition vorbereitet. Doch vorerst musste er der Rüstungsindustrie zur Verfügung stehen, Flugzeugbau lernen Arado-Flugzeugwerke Wittenberg). Kurz vor seinem 16. Geburtstag wurde er zum Arbeitsdienst eingezogen, dann als Flakhelfer in eine Großkampfbatterie abkommandiert mit dem Ziel Luftangriffe abzuwenden. Doch lange währte das nicht, denn die Amerikaner hielten Einzug. Heinz Burchhardt entging der Gefangenschaft, indem er sich zu Fuß nach Hause durchschlug, dabei dreimal die Linien durchbrach. Der Vater galt als vermisst, kehrte erst im Herbst zur Familie zurück. Gemeinsam bauten Vater und Sohn die durch den Beschuss beschädigte Tischlerei wieder auf, nahmen die Arbeit auf, die dringend von der Bevölkerung benötigt wurde. Viel war kaputt, musste repariert werden. Die neuen Fenster hielten nicht lange, denn die von der russischen Besatzungsmacht verursachte Explosion eines Handgranaten- und Munitions- und eines Panzerfaust-Lagers, ließ alle Rahmen wieder bersten und den Reigen der Instandsetzung von vorne beginnen. Heinz Burchardt lernte von 1945–1947 den Tischler-Beruf, packte mit an. Als Geselle arbeitete er in der väterlichen Werkstatt, erlangte am 04.12.1958 den Meisterabschluss. Sein Vater erlebte das nicht mehr. Er war drei Wochen zuvor gestorben und der junge Meister übernahm ab 1959 die volle Verantwortung für den Betrieb. Ehefrau Margrit, die er in gleichem Jahr geheiratet hatte, konnte ihn dabei nicht unterstützen. Sie war als Angestellte in der Kreisverwaltung tätig und hatte damit eigene berufliche Herausforderungen zu erfüllen. Die Finanzschule in Gotha absolviert und nach der Wende als Finanzbeamtin in den Beamtenstatus gelangt, blieb sie in ihrem Metier bis zur Rente. Während Vater Burchardt auch noch Möbel baute, spezialisierte sich Heinz Burchardt auf Fenster-, Türen- und Rolläden-Bau und war als Einzelunternehmer vollkommen ausgelastet. Während er in der DDR-Zeit um jede technische Ausrüstung kämpfen musste, gab es nach der Wende als erstes Artikel auf den Baumärkten, die in der BRD nicht oder schlecht verkäuflich waren. Doch Heinz Burchardt blieb erfolgreich, betrieb seine Tischlerei bis 1999. Der 1945 gegründeten Bestattungsfirma Wittenberger Tischlermeister e. G., der er 1959 beigetreten war und die er viele Jahre als Vorstand leitete, ist er heute noch als Mitglied treu. Einen Nachfolger für die Tischlerei hat er in der in der Familie nicht finden können. Sohn Uwe (geb. 1959) arbeitet als selbstständiger Installateur, Tochter Ines (geb, 1960) ist Angestellte beim DRK und auch die Enkelin verfolgte eigene Pläne. Die Wände der ehemaligen Tischlerei und heutigen Wohnstätte der Burchardts zieren die Meisterbriefe von Vater und Sohn. Der Goldene Meisterbrief und der Senioren-Meisterbrief von Heinz Burchardt verweisen auf seine gute Arbeit und die Genauigkeit, mit der er sie ausgeübt hat. Er werkelt heute noch gerne und freut sich ansonsten, dass es gelungen ist alte Freundschaften über viele Jahre zu erhalten und weiter zu pflegen.