MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Gabriele und Werner Bräunlich
Immer auf Tour – erst einsam, nun gemeinsam
Wirtschaftskauffrau
Berufskraftfahrer
Schleizer Str. 6
07549 Gera
Fon: 0365 / 7105841
Als Sohn einer Köchin und eines Berufskraftfahrers 1953 geboren, stand nach dem Abschluss der 8. Klasse eine sofortige Lehre auf dem Programm. „Der muss raus, der muss arbeiten“, begründete der Vater die von ihm empfundene Überflüssigkeit für eine 10-jährige Schulbildung. So lernte Werner Bräunlich den Beruf Dreher und Fräser. Nicht, dass der ihn sonderlich interessiert hätte – nein, die Busverbindung zum Betrieb war gut – begründet er seine damalige Wahl. Es kam dann, wie es kommen musste – er blieb nicht in dem Beruf. 1972 rief die Wehrpflicht und dass er während der 18 Monate Grundwehrdienst die Qualifikation zum Militärkraftfahrer ablegen konnte, ermöglichte eine anschließende Bewerbung beim VEB Kraftverkehr Gera als Berufskraftfahrer. Von nun an fuhr er zwei Jahre im Bereich Spedition (Waggonentladungen an Betriebe geliefert, innerhalb des Bezirkes), danach DDR weiter für die Möbelabteilung. Nach vollzogener Verstaatlichung der Schwertransportfirma Rothe veränderten sich die Strukturen im VEB Kraftverkehr. Der Bereich Möbel- / Schwertransporte war nun sein Arbeitsplatz und ab 1982 befuhr er mit bereits ganz Europa, einschließlich dem westlichen Ausland. Der Vorteil: Er konnte ferne Länder befahren, der Nachteil: Oft dauerte eine Tour bis zu drei Wochen und die Tagesroute konnte auch schon mal 12 Stunden Fahrt beinhalten. Interessant, spannend, anstrengend und nicht sehr familienfreundlich.
Bis 1996 war Werner Bräunlich so unterwegs. Die Kinder (Meiko, geb. 1976, Dipl.-Ing. und Michael, geb. 1979, Kfz-Mechaniker) waren indessen groß, Ehefrau Gabriele (geheiratet 1975) bereits sehr lange Strohwitwe. Er selbst hatte schlichtweg genug von der Tätigkeit und so wechselte er in die Stadtwirtschaft Gera, fuhr vom Müllauto bis zum Winterdienstfahrzeug alles, was notwendig war und koordinierte als Vorarbeiter Einsätze jeder Art. Mit Verkauf und Wandlung der Stadtwirtschaft in die GUD GERAER Umweltdienste GmbH & Co. KG blieb er weiter dort tätig, ging im Juni 2016 in die Rente. Einen Tag in der Woche arbeitet er noch, fährt eine feste Tour im Stadtgebiet und findet so „entwöhnt“ es sich leichter wenn man nach einem so arbeitsreichen Leben zu Hause bleiben muss. Ehefrau Gabriele teilt seit 2016 diesen Ruhestand. 1954 geboren und die 10-klassige Oberschule absolviert, erlernte sie den Beruf Bauzeichnerin. Mit der Familiengründung passte sie ihre berufliche Entwicklung den neuen Gegebenheiten an. Sie nahm eine Tätigkeit in der Buchhaltung des Fleischkombinates an, unterwarf sich der dafür notwendigen Qualifizierung zur Wirtschaftskauffrau. Mit der Wende wurden mehrere Weiterbildungen nötig, die sie erfolgreich belegte. Mit dem erworbenen Wissen konnte sie die folgenden Wandlungen der Arbeitgebers gut überstehen, war nie einen Tag arbeitslos, wie sie berichtet. „Den Steuern treu geblieben“, wie sie sagt, ist sie heute noch und als Schatzmeisterin des Gartenvereins aktiv. Mit Radfahren – einschließlich Radtour-Reisen – halten sich die Eheleute fit, der Garten bietet Erholung und Betätigung zugleich. Die beiden Söhne haben für drei Enkel gesorgt und wenn alle gesund bleiben, sind die Bräunlichs zufrieden.