MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Eckhard Bruch
Kein solides Handwerk ohne fundierte Ausbildung
Dachdeckermeister
Str. der Völkerfreundschaft 57
06886 Lutherstadt Wittenberg
Fon: 03491 / 8778873
Erst 1948 kam die Familie des 1939 in Pommern geborenen Eckhard Bruch von Polen nach Deutschland. Diesem Umstand verdankte er, erst 1948 eingeschult zu werden. Schön fand er das, hatte er doch dadurch eine herrliche Kindheit. Allerdings musste er dann in zwei Jahren vier Klassen absolvieren, um 1954 planmäßig den Abschluss der 8. Klasse zu erlangen. In der Nachkriegszeit wurden dringend Handwerker gebraucht. Der Vater war einer von ihnen, hatte als Dachdeckermeister zu Hause ein Modell von einem Dach, an dem er Umschüler anlernte. Sohn Eckhard gefällt, was er sieht und hört. Doch sein Vater warnt: „Du gehst mir nicht aufs Dach!“. Er musste sich damit abfinden, dass Eckhard Bruch selbst entschied es doch zu tun. Drei Tage sprach der Vater deshalb nicht mit ihm, lernte aber schnell die gute Arbeit des Sohnes achten, als dieser ab 1956 – nach seiner Ausbildung zum Dachdecker – mit ihm in einer Brigade zusammen arbeitete. Eckhard Bruch erinnert sich heute noch daran, wie der Vater als Ausbilder seine Wissensvermittlung begleitete mit Backpfeifen und den Worten: „Merk dir das!“. Ein guter Dachdecker ist er geworden, hat 22 Jahre im Paul-Weber-Dachdeckerbetrieb gearbeitet und innerhalb des Sonderbaubüros Russenkasernen handwerklich betreut. Nach 22-jähriger Gesellentätigkeit wechselte er die Firma, ging 1976 in den VEB Baureparaturen – den späteren Kreisbaubetrieb. Als dieser in der Wendezeit aufgelöst wurde und in einzelne selbstständige Handwerksbetriebe zerfiel, nahm Eckhard Bruch die Arbeit in der Hochbau GmbH Wittenberg auf, blieb bis 1994 hier tätig. Ende der 70er Jahre hatte er die Prüfung als Lehrausbilder abgelegt, war zum Zeitpunkt der Wende für 15 Lehrlinge verantwortlich. Die Ideen des Vaters für anschauliche Ausbildung hatte er übernommen und weitergeführt. An Modellen in Originalgröße wurde geübt. Die Wintermonate genutzt, die Fertigkeiten für die praktische Arbeit in den Auftragsmonaten zu vervollkommnen. Die Lehrlinge hatten damit fundierte Kenntnisse und Praxis, so dass es sie ab dem 3. Lehrjahr bereits die Arbeit eines Gesellen ausführen konnten. Das überzeugte auch die Hamburger Dachdeckerfirma Puborski, die ihn kurzerhand komplett mit seinen Lehrlingen übernahm. 1999 drohte diesem Betrieb die Schließung, was zum Stellenabbau und zur Kündigung von Eckhard Bruch führte. Ein Jahr vor der Rente für ihn kein Problem, denn ständige Auswärtsmontagearbeiten hatten auch ihren Tribut gefordert. Ihn hat es gewurmt, dass mit den neuen Strukturen auch alles zuvor Geschehene angezweifelt wurde. So die ganze Lehrausbildung, der man politische Prägung unterstellte und die fachlich gute Ausrichtung ignorierte. Drei selbstständige Handwerksmeister gibt es heute in Wittenberg, die einst bei ihm gelernt haben. Ist das nicht Beweis genug für die Richtigkeit der Ausbildung zuvor? Aber es gab auch ehemalige Lehrlinge, die in den alten Bundesländern – auf Grund ihrer hervorragenden Arbeit – gefragt wurde, ob sie noch mehr Kumpels hätten, „die bei dem Bruch gelernt haben“.... In der Handwerkskammer, in der Gewerkschaft und im Zivilschutz hat sich Eckhard Bruch früher engagiert. Er war eben ein „Macher“, während er heute bemängelt, dass viel Stroh gedroschen und wenig getan wird. Seine Frau Hildegard, mit der er seit 1962 verheiratet war, starb leider bereits 1994. Doch die Töchter Silke (geb. 1966, Pädagogin) und Katrin (geb. 1968, Schulleiterin) und die Enkel geben ihm freudige Momente ebenso, wie die Freunde im Rentnerclub, die Leidenschaft Angeln und die Auftritte mit dem Keyboard.