MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Ernst Brockhausen
Der Büromaschinenexperte
Ing. für Feinmechanik
Albert-Schweitzer-Str.12
99610 Sömmerda
Fon: 03634 / 620040
Eigentlich hatte Ernst Brockhausen einen ganz anderen Berufswunsch: Lokomotivführer. Geboren 1938 in Bernburg/S., bewarb er sich auch nach Abschluss der 8.Klasse um eine entsprechende Lehrstelle. Doch auf Grund staatlicher Festlegungen wurden in dem Jahr keine männlichen Lehrlinge angenommen. Durch Zufall erfuhr er, dass eine Büromaschinenwerkstatt in seiner Heimatstadt einen Lehrling suchte. Als einziger von sechs Bewerbern bestand Ernst Brockhausen die Aufnahmeprüfung erfolgreich und erhielt die Zusage für den Ausbildungsplatz. Doch dann griff auch hier zunächst eine Verfügung, männliche Lehrlinge nicht einzustellen. Er begann nun an der Berufsschule mit einer allgemeinen theoretischen Ausbildung für Lehrlinge, die noch keinen Ausbildungsplatz bekommen hatten. Als drei Monate später die Verfügung aufgehoben wurde, konnte er doch noch die Ausbildung im Lehrbetrieb aufnehmen. Nach der Lehre zum Büromaschinenmechaniker arbeitete er zwei Jahre im Lehrbetrieb. Dann wollte er auch den Herstellungsprozess von Büromaschinen kennen lernen. Deshalb wechselte er im Herbst 1957 zum VEB Rheinmetall- Büromaschinenwerk Sömmerda und nahm dort eine Tätigkeit als Mechaniker in der Fakturiermaschinenabteilung auf. Neben seiner Arbeit holte er an der Abendschule die 10.Klasse nach, um anschließend ein Studium an der Ingenieurschule Glashütte / Außenstelle Sömmerda aufzunehmen. Dieses musste Ernst Brockhausen im Herbst 1962 jedoch für 1½ Jahre unterbrechen, da in der DDR inzwischen die Wehrpflicht eingeführt war und die NVA auf der Ableistung seines Dienstes bestand. Nach der Entlassung kehrte er an seinen Arbeitsplatz zurück und beendete 1968 das Studium als Ingenieur für Feinwerkstechnik. Inzwischen kam es zur Umsetzung in die Abt. Musterbau, um die Überleitung der Neuentwicklung Kartenlocher/Kartenprüfer in die Produktion vorzubereiten. Bis 1969 war er dann als Bereichsleiter für die Produktion und Montage des Kartenlochers 415 verantwortlich. Dann erfolgte der Wechsel in die Hauptabteilung Technik des Betriebsteiles Periphere Geräte, zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter, später Qualitätsbeauftragter. Mit der Liquidation des Büromaschinenwerkes Ende 1992 war auch seine fachliche Arbeit nicht mehr gefragt. Zunächst für ein halbes Jahr in einer Auffanggesellschaft mit Qualifizierungsmaßnahmen beschäftigt, wurde er dann doch arbeitslos. Bis Frühjahr 1996 erhielt er vom Arbeitsamt noch zwei längere Umschulungsmaßnahmen, die ihn aber auch nicht mehr ins Berufsleben zurückführten. Aus erneuter Arbeitslosigkeit konnte Ernst Brockhausen schließlich mit 60 Jahren in den Ruhestand gehen. Auch hier ist er noch aktiv und engagiert sich im Verein der Ingenieure Thüringens (VITT). Darüber hinaus ist er als Briefmarkensammler, ein heute eher noch seltenes Hobby, Mitglied im Briefmarken- Sammler- Verein Sömmerda e. V. Weitere Interessen sind Lesen, Fotografieren und Bildungsreisen. Die Freizeit teilt Ernst Brockhausen mit seiner Lebensgefährtin. Vielleicht erfüllte er sich mit ihr gemeinsam auch noch seinen Wunsch nach einer Reise zu Norwegens Fjorden.