MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Antje Brüssow

Familientradition

Antje Brüssow

Inhaberin Bahnhofs-Apotheke Bahnhofstr. 21 15344 Strausberg    

Wie die Mutter, so die Tochter! Antje Brüssow (1967 geboren) absolvierte die Polytechnische Oberschule, legte das Abitur ab und erfüllte sich den Traum aus Kindergartenzeit, Apothekerin zu werden. Als Kindergartenkind die Mutter in der Löwen-Apotheke Neuruppin besuchend, sortierte sie Tee, sog den Geruch ein. Als sie später in eben dieser Apotheke und bei der Mutter den Beruf der Apothekerin erlernte, wurde sie besonders gefordert. Es sollte nicht der Anschein entstehen, sie würde besser behandelt. Drei Jahre studierte sie an der Humboldt-Universität Berlin Pharmazie. Diese Sektion war damals neben einer alten Lackfabrik zu Hause, abenteuerliche Verhältnisse, die an eine Hexenküche erinnerten. Trotzdem war es eine tolle Zeit, über die Wende hinaus, bis 1992. Dann legte sie das zweite Staatsexamen ab, absolvierte das erste Praxisjahr in einer Berliner Apotheke. Nach dem Ablegen des dritten Staatsexamens war sie 1993 Apothekerin und 1995 machte sie sich bereits selbstständig mit der Märkischen Apotheke – ein Weg, der in der DDR so nicht möglich gewesen wäre. Zu Studienbeginn hatte sie somit ursprünglich die Planung einmal eine Staatliche Apotheke zu leiten, doch die neuen Chancen nutzte sie gerne. Aus einer Apotheker-Dynastie kommend, war die gesamte Familie stolz auf ihre Entwicklung. Mit etwas Blauäugigkeit und viel Enthusiasmus bewältigte sie ihr hohes Arbeitspensum und konnte trotzdem ihrem Sohn Maximilian, der 1989 geboren worden war und heute studiert, viel mit auf den Weg geben. 2005 kaufte Antje Brüssow die Bahnhofsapotheke, arbeitet heute mit zehn Angestellten, bildete in der Vergangenheit auch einen Lehrling aus. Eine ganz besondere Geschichte, die ihre soziale Kompetenz unterstreicht und beispielgebend für die heutige Zeit ist: Eine russische Aussiedlerin – ausgebildete Sozialpädagogin – war als Reinigungskraft in der Märkischen Apotheke beschäftigt. Ein Unding, wie Antje Brüssow fand, weshalb sie ihr eine Ausbildung anbot, die diese mit Bravur absolvierte und heute als Fachkraft in der Apotheke arbeitet. Die Apotheke selbst lebt diese soziale, emotionale, neben der fachlichen Kompetenz. Der Kontakt zu den Menschen, ihre Betreuung über Jahre und Jahrzehnte, das Vermitteln des Gefühls gut aufgehoben zu sein, ist Anspruch. Aktionstage, Patientenvorträge, Vorträge für die Volkssolidarität und Gesundheitstage Mittel auf dem Weg dahin. Die Teilnahme am jährlichen Ringversuch ist Bestätigung des handwerklichen Könnens. Ausgleich zum Beruf, „Rückenstärkung“ für die Seele bieten Lebensgefährte Thorsten, die Arbeit auf dem Grundstück und das Lesen. Den Spruch ihrer Oma, der jahrelang, von ihr unverstanden, in ihrem Zimmer hing: „Leben heißt kämpfen“ kann sie heute nur bestätigen.
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