MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Waltraut und Helmut Schulte
Über fünfzig gemeinsame Jahre
Lehrerin i. R.
Elektromeister i. R.
06667 Weißenfels
Waren es bei ihm die Pflegeltern, welche vorbildhaft sehr liebevoll und uneigennützig sein Leben prägen sollten, erinnert sich Waltraut Schulte besonders an die Großmutter, denn „Omi“ hatte trotz aller familiären und geschäftlichen Sorgen immer einen guten Ratschlag aus ihrem warmen Herzen.
1938 in Gräfenhainichen zur Welt gekommen, unterstützte die junge Waltraut bereits schwächere Schüler beim Fortkommen, so dass ihr Wunsch, Lehrerin zu werden, frühzeitig feststand. Nach dem Abitur 1956 folgte das Studium der Pädagogik mit Orientierung auf ihre Lieblingsfächer Mathematik und Physik. Die Tschanterschule in Eilenburg wurde von 1959–1964 die erste Station der jungen Lehrerin. Dann wechselte sie an eine neu errichtete Schule im nahen Laußig, wurde stellvertretende Schulleiterin. Doch schon 1965 ging es durch die Heirat nach Weißenfels, wo sie lange Jahre an der Albert-Einstein-Schule unterrichtete, bis diese bei den Umstrukturierungen nach 1990 zur reinen Grundschule wurde und Waltraut Schulte deshalb an die Neustadtschule versetzt wurde, wo sie bis zum Ruhestand 1998 ihren Beruf ausübte. Als freie Mitarbeiterin für die „Mitteldeutsche Zeitung“, wo sie vor allem an der Erstellung einer zweimal monatlich erscheinenden Seniorenseite beteiligt war, fand sie nun für fünf Jahre neue interessante Aufgaben.
In Gütersloh wurde 1938 Helmut Schulte geboren. Die Mutter war verstorben, der Vater zum Kriegsdienst einberufen, deshalb der kleine Helmut im Heim und dann bei Pflegeeltern auf. Die Schule besuchte er in Markranstädt (bei Leipzig) und absolvierte nach Abschluss der 8. Klasse eine zweieinhalbjährige Lehre als Betriebselektriker im Braunkohlenwerk Kulkwitz. Als die Tagebaue von Kulkwitz und Miltitz stillgelegt wurden, wechselte er ins Abbaugebiet Domsen des Braunkohlenwerks Deuben. Hier wirkte er als Schichtelektriker und später im Deubener Kraftwerk. Drei Jahre besuchte er die Meisterschule, wurde dann als Arbeitsvorbereiter im Tagebau Profen eingesetzt. Doch der Weg von Weißenfels, wo die Familie nun sesshaft geworden, war umständlich weit. Nach zweijähriger Zwischenstation im Handwerk wurde er Meister der Elektrikerbrigade im VEB Schuhmaschinenbau „Compart“. Als nach 1990 die Belegschaft drastisch reduziert wurde, fand er nach einiger Zeit im Zeitzer „Zetti“-Werk der Goldeck Süßwaren GmbH als Betriebselektriker wieder lohnende Aufgaben, gestaltete den Umzug in einen Neubau 1999 mit, ging 2002 in Rente.
Ihre Einliegerwohnung konnten die Eheleute im vom Sohn Ingolf (Jahrgang 1966) gebauten Haus beziehen, so dass sie die Freude an der Enkelin fast täglich genießen können. Die Beiden füllen ihren Lebensabend mit allerlei Aktivitäten. So findet Helmut an seinem Koiteich eine interessante Beschäftigung und Ruhe. Waltraut widmet sich mit Leidenschaft der Malerei. Durch die eine oder andere Reise versuchen sie noch den Teil Deutschlands kennenzulernen, der ihnen 40 Jahre vorenthalten wurde und auch mal die Nase in die weite Welt zu stecken.