MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Renate und Bernhard Schubert
Einstige Flüchtlinge übernehmen Verantwortung in neuer Heimat
Chefarztsekretärin
Oberbürgermeister
Birkenweg 1
04552 Borna
Fon: 03433/ 201704
Renate und Bernhard Schubert sind beide gebürtige Schlesier vom Jahrgang 1937. Sie kam in Breslau zur Welt, seine Wiege stand im niederschlesischen Seitsch. Die nahende Front zwang beide Familien zur Flucht. Renate Schuberts Vater war schon 1943 Opfer des Krieges geworden, die Mutter mit ihren vier Kindern landeten nach Zwischenetappen in Borna, wo die junge Renate die Schule bis zur 8. Klasse besuchte, an der Berufsschule zur Stenotypistin ausgebildet wurde. Zwei Jahre arbeitete sie danach beim Rat des Kreises, ab 1957 fand die Chefarztsekretärin am Kreiskrankenhaus Borna nun über viele Jahre bis zum Vorruhestand 1992 den befriedigenden Aufgabenkreis, von den Ärzten und Mitarbeitern wie von den Patienten geschätzt.
Als die Flucht 1945 bis in die Nähe von Coburg führte, hoffte die Familie von Bernhard Schubert noch, nach Kriegsende in die Heimat zurückkehren zu können. Doch die Rückfahrt endete in Flößberg bei Borna. Nach zwölf Schuljahren schloss er 1955 mit dem Abitur ab. Das Studium der Berufspädagogik an der Technischen Hochschule (TH) Dresden beendete er 1960 als Diplomgewerbelehrer für Maschinenbau. An der Allgemeinen Berufsschule in Rochlitz sammelte er in fünf Jahren erste Erfahrung als Lehrer, dann zog ihn das Familiäre wieder Richtung Borna, 1963 hatten Renate und Bernhard Schubert geheiratet, ein Jahr später kam der erste Sohn zur Welt (spätere Bilanz zwei Söhne, eine Tochter, drei Enkel). So begann er 1965 an der Betriebsberufsschule des Braunkohlekombinates Espenhain, wirkte dort bis 1990. Die gesellschaftlichen Veränderungen 1989/90 hatten wichtigen Einfluss auf das in christlichen Werten aufgewachsene Ehepaar. Die Teilnahme an den Montagsdemonstrationen in Leipzig, die neue politische Offenheit brachten ungeplante Herausforderungen. Bernhard Schubert engagierte sich ab Januar 1990 in der Sozialdemokratischen Partei und wurde im Auftrag der SPD nach den ersten freien Kommunalwahlen in der Noch-DDR Mai 1990 vom Stadtrat zum stellvertretenden Bürgermeister von Borna gewählt. Als 1994 die Direktwahl des Stadtchefs anstand, bestimmten ihn die Bornaer zum Oberbürgermeister. In dieser Aufgabe konnte er in den sieben Jahren bis 2001, als er altersbedingt nicht neu kandidierte, für seine Stadt, für seine Menschen viel erreichen. Als Vorsitzender des „Fördervereins des Leipziger Symphonie-Orchesters“ engagiert er sich bis heute, ist in weiteren Vereinen aktiv.