MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Kurt und Rosmarie Schubert
„Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu etwas.“ (Christian Friedrich Hebbel)
Laborant für Geologie und Mineralogie
Erzieherin
Teichstr. 6
04838 Eilenburg OT Gallen
Fon: 034241 / 50510
Kurt Schubert wohnt heute noch in dem Ort Gallen, wo er 1949 im elterlichen Schlafzimmer als Hausgeburt zur Welt kam. Auch seine Frau stammt von hier, wurde 1952 geboren. Beide erinnern sich noch gut, wie damals das Leben im Ort war. Kurts Mutter arbeitete auf der Poststelle und war damit „Herrscherin“ über das einzige Telefon im Ort, berichten sie. Ca. 200 Einwohner hatte das Dorf und trotzdem eine eigene Grundschule. Beide Schuberts besuchten diese bis zur 4. Klasse und danach die Schule im nächstgrößeren Ort. Heute ist von dieser Infrastruktur nichts mehr vorhanden. Rundfunk- und Fernsehmechaniker wollte Kurt Schubert erst gerne werden, begeisterte sich dann für Geologie, Archäologie und anderes. Letztendlich musste er sich jedoch nach regionalen Angeboten richten. Nach der 10. Klasse lernte er also den Beruf Laborant für Geologie und Mineralogie. Am Institut für Geophysik und Geologie Leipzig arbeitete er nur wenige Monate, wurde dann zum Wehrdienst eingezogen. Er absolvierte in Cottbus einen Funker-Lehrgang, wurde zum Unteroffizier ernannt und war in Erfurt, Brück und Marxwalde, im Rahmen des Nachrichten-Flugsicherungsbataillons 8, stationiert. In die Reserve entlassen, kehrte er an das Institut zurück. „Das war in der DDR so, der Arbeitsplatz blieb während der Armeezeit erhalten...“ berichtet er, und davon bis zum Eintritt in den Ruhestand 2014 dort gearbeitet zu haben. „Ich habe alle Entwicklungen und Wandlungen an dieser Einrichtung miterlebt. Auch wie es nach der Wende zwischen den Genossen und Nichtgenossen zur Sache ging. Manches wurde sehr unschön. Vieles war in der Schwebe und ungewiss. Die Karten wurden neu gemischt. Doch das Institut hat alles überstanden, besteht heute noch....“ berichtet Kurt Schubert. Zuvor umweltgeophysikalische Messungen durchführend, wurde er nun wieder in die Gesteinsbearbeitung versetzt, behielt aber als Institutsmitarbeiter seinen Arbeitsplatz. Rosmarie Schubert wurde mehr durchgerüttelt vom Wende-Wandel.
Nach dem Abitur studierte sie am Institut für Lehrerbildung in Köthen, arbeitete danach als Lehrerin Mathematik / Chemie 1975–1981. Im Jahr 1976 hatten die Schuberts geheiratet. 1978 wurde Sohn Mathias (Elektromonteur) geboren, 1981 Tochter Kathleen (Dr. Biochemie). Nach dem Babyjahr arbeitete die junge Mutter als Erzieherin im Hort weiter bis zum Eintritt in den Ruhestand. Mit der Wende wurde ihre Ausbildung nicht anerkannt. Sie wurde aufgefordert den Abschluss als Erzieherin neu zu erlangen. Das gestaltete sich schwierig als berufstätige Mutter. Letztendlich absolvierte sie einen Lehrgang und wurde wieder für die Erzieher-Tätigkeit zugelassen. Eine unschöne Zeit, wo Eignung, Können, Ausbildung und Fertigkeiten so in Frage gestellt worden sind, man sich förmlich selbst „zu Markte tragen musste“, empfindet sie rückblickend. Viel haben die Eheleute gemeinsam geleistet: Ein Haus gebaut, sich um die Entwicklung der Kinder und die Betreuung der Eltern gekümmert. Kurt Schubert spielte viele Jahre in einer kleinen Band – Spaß für ihn, Zuverdienst für das Familienbudget. 1974 in die Freiwillige Feuerwehr eingetreten, war er viele Jahre Gruppenführer, ist heute Alterskamerad. Er gilt als äußerst hilfsbereit, was auch seiner Frau nachgesagt wird. „Wir freuen uns, unsere Kinder unterstützen zu können“ sagen die Schuberts und bereits darin spiegelt sich das vorgesagte wieder. Dass die letzten Urlaubsplanungen immer ausfielen oder Urlaub auch abgesagt wurde ist ebenso damit begründet: Immer gab es etwas „wichtigeres“, immer stand die Fürsorge für andere im Vordergrund und freiwilliger Verzicht war die Folge. Doch nun wäre es doch einmal an der Zeit, findet Rosmarie Schubert und es bleibt abzuwarten, ob ihr Mann Kurt diesen Wunsch nach gemeinsamen Urlaub erfüllt.