MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Herbert Schubert
Einer in einer ganzen Reihe von Landwirten
Bäcker und Landwirt
08132 Mülsen
Auf dem Hof in Mülsen St. Niclas, seinem Geburtsort im Jahre 1935 und Lebenssitz bis heute, ist Landwirtschaft lt. der Kirchenbücher seit mindestens 1710 nachgewiesen. Herbert Schubert reiht sich ein in die bäuerliche Tradition und darf gewiss sein, er wird nicht der letzte sein, dem Gott Haus und Hof, Feld und Stall anvertraut hat. Von fünf Geschwistern war er der mittlere der drei Brüder und eigentlich als Erbe nicht vorgesehen. Er lernte Bäcker im wenige Kilometer entfernten Heinrichsort, fühlte sich dort wohl, weil er wie der eigene Sohn der Bäckersfamilie behandelt wurde. Doch der Vater war gesundheitlich nicht mehr fit, der kleine Bruder, als Nachfolger des landwirtschaftlichen Betriebes vorgesehen, noch zu jung. Staatlicherseits sollte deshalb ein Pächter den Hof übernehmen, die angestammte Familie rausgesetzt werden. Mit seiner Entscheidung neben der Mutter in den Betrieb einzusteigen, rettete Herbert Schubert den Hof seiner Ahnen, obwohl nicht er der gelernte Bauer war, doch der kleine Bruder orientierte sich Ende der fünfziger Jahre gen westliche Himmelsrichtung. Herbert Schubert blieb, durchlebte bald die Tücken der Kollektivierung in der DDR-Landwirtschaft, wurde 1960 zum Eintritt in die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) gepresst, konnte die ersten Jahre mit anderen Bauern durchsetzen, dass in der LPG nach Typ 1 gearbeitet wurde, bei der die Felder gemeinschaftlich bewirtschaftet wurden, aber jeder sein eigenes Vieh hatte. 1972 übernahm alles komplett die LPG, er arbeitete nun fast zwanzig Jahre in der Schweinemastanlage, einer Zwischenbetrieblichen Einrichtung (ZBE).
1990 nahm er die Flächen des Hofes (20 ha, inzwischen werden 250 ha bewirtschaftet) wieder aus der Genossenschaft, führte seinen Betrieb nun endlich wieder selbst, mit dem Vorruhestand an seine Frau Hildegard (Heirat 1960) übertragen, inzwischen von zwei der Söhne geführt. Zu Hochzeiten bäuerlichen Wirtschaftens ist zudem die ganze Familie eingespannt, zu der drei Söhne und eine Tochter sowie vierzehn Enkel (auch hier gibt es den ersten geprüften Landwirt) gehören. Dass seine Kinder keine Arbeiterkinder waren, zudem mit der Konfirmation die kirchliche Bindung aufrechterhalten wurde, mag ihrem Bildungsweg zu DDR-Zeiten geschadet haben. Ihren richtigen Platz im Leben haben sie wie Herbert Schubert, der eher ungewollt Landwirt wurde, letztendlich zu finden gewusst.