MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Gertraud Schröter

Augen zu und durch!

Gertraud Schröter

Ernst-Moyat-Str. 12
06772 Gräfenhainichen OT Zschornewitz
Fon: 034953 / 88168

Gerne hätte die 1939 geborene Gertraud nach dem Abschluss der mittleren Reife ein Studium aufgenommen. Doch der Vater war selbstständiger Schuhmachermeister und als Tochter eines Unternehmers blieb ihr ein Studienplatz verwehrt. So lernte sie im Laden des Vaters den Beruf einer Verkäuferin und dachte dabei, vielleicht über diesen Umweg doch noch Innen- und Außenhandel studieren zu können. Nachdem auch das wegen dem „kapitalistischen Vater“ fehlgeschlagen war, arbeitet sie als Telefonistin im Kraftwerk, als Verkäuferin im Sportwarengeschäft und leitete diese Einrichtung zeitweise Sie war Disponentin in der Materialwirtschaft in der Schmelze Zschornewitz, Verkäuferin im Konsum und im Fleischerladen. Die Wechsel der Arbeitsstellen hatten mit der Veränderung des Familienstandes zu tun. 1962 hatte sie den Monteur Hans-Eberhard Schröter geheiratet. (Er arbeitete in der Schmelze Zschornewitz 30 Jahre als Berufskraftfahrer, fuhr Werksbus und Schwerlasttransporter – Materialeinkauf). Die Kinder Andreas (geb.1963, Rettungsassistent), Frank (geb. 1964, ÖPNV-Betreuer) und Annett (geb.1969, Pflegedienst) waren geboren und somit war es Gertraud Schröter nur noch möglich stundenweise arbeiten zu gehen. Entsprechende Arbeitsstellen waren rar gesät, denn Vollbeschäftigung war in der DDR gewollter Standart. Abgeworben zur Post bediente sie erst die Kunden am Schalter des Zschornewitzer Hauptpostamtes, wurde dann Leiterin der Poststelle in der Siedlung. Als solche erlebte sie auch die Wende und die Auflösung der alten Strukturen der Post. Für sie hieß das Arbeitslosigkeit, ABM und mit 60 Jahren in die Rente. Gesellschaftlich im Kirchenrat und Kirchenchor engagiert und privat ein großes Grundstück versorgend, wurde ihr die Zeit nicht lang. Heute noch ist sie ehrenamtlich für die Kirche aktiv und die Verbindung zu alten Weggefährten erhält sie aufrecht bei den dreimal wöchentlich stattfindenden Sportveranstaltungen, die sie für die körperliche Fitness nutzt. „Bei uns ist immer Tag der offenen Tür...“ sagt sie und berichtet, dass gute Nachbarschaft und Kollegialität die Zeit überdauert haben. Das, obwohl insgesamt der Zusammenhalt der Menschen rückläufig ist, wie sie findet. In der DDR gab es weniger Neid, weniger Unsicherheit, bessere medizinische Versorgung. Aber sie boxt sich durch, sagt was sie denkt und schätzt, wenn auch andere Menschen das tun. Duckmäuserei bringt nicht weiter, sagt sie und hält es ansonsten gradlinig immer mit dem Grundsatz: Augen zu und durch!
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