MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Rudolf und Hannelore Schroeder
Zur Selbständigkeit entschlossen
Betriebsschlosser, Kraftfahrer
Fachzahntechnikerin
Wagnerstr. 10
01591 Riesa
Als Einzelkind, der Vater blieb unbekannt, die Mutter arbeitete als Neulehrerin, wuchs Rudolf Schroeder bei seiner Mutter und der Oma auf. 1946 in Riesa geboren, erlebte er noch magere Zeiten, als die Kohlrübensuppe oft Hauptmahlzeit war, der nur unter Mühen geschluckte Lebertran fehlende Vitamine ersetzen sollte. Doch schon in jungen Jahren wusste er sich zu helfen, verdiente sein Taschengeld mit dem Sammeln von Schrott, Flaschen und Altpapier, als Aufsteller auf der Kegelbahn. Aus einfachen Materialien wurden eigene Kegel gebastelt, der Kegelsport wurde zur Aktivität seiner Jugend. Von 1953 bis 1963 besuchte er die Friedrich-Engels-Oberschule in Riesa. Er erlernte das Gitarrespiel und freute sich an damit verbundenen Auftritten samt kleinen Einnahmen. Nach seiner zweijährigen Lehre zum Betriebsschlosser arbeitete er im Reifenwerk Riesa in der mechanischen Werkstatt, er besuchte Lehrgänge für Schweißen und Gabelstaplerfahren, wurde später als Schichtschlosser eingesetzt. Einundzwanzig Jahre blieb er, dann wechselte er für drei Jahre als Kraftfahrer und Handwerker in eine größere Bäckerei, war dann als Kraftfahrer beim VEB Robotron in der ganzen DDR unterwegs. Als die DDR (und ihre Wirtschaftsstrukturen) Geschichte wurde, fand er als Fahrer für eine Bäckerei in Meißen Freude am Ausfahren und Verkaufen von Eis. Ab Januar 1992 fuhr er für das von seiner Frau mit seiner Hilfe aufgebaute Dentallabor.
Auf der anderen Seite der Elbe, in Roda kam seine spätere Frau als Hannelore Meier 1949 zur Welt. Die Mutter verstarb bereits 1960, ein schwerer Einschnitt. Nachdem sie die Schule in Zschaiten, dann in Nünchritz und zuletzt ebenfalls die Riesaer Friedrich-Engels-Schule besucht hatte (Abschluss 10. Klasse 1966), musste sie bei der Berufswahl darauf Rücksicht nehmen, dass Operationen in sehr jungen Jahren sowie 1964 ein Unfall einen im Sitzen auszuübenden Beruf nahelegten. Die dreijährige Lehre zur Zahntechnikerin wurde zum Glücksfall. Danach arbeitete sie für eine Ambulanz (später Poliklinik) im Riesaer Stadtteil Weida, qualifizierte sich zur Fachzahntechnikerin. Als nach 1990 Eigenverantwortung wieder gefragt war, entschied sie sich mit Unterstützung von zwei Meistern aus den alten Bundesländern für die Selbständigkeit. Diese Entscheidung brauchte sie nie zu bereuen. Im Jahr 2009 ging sie in Rente, arbeitete danach drei Jahre auf Geringfügigkeitsbasis (betraf die Vergütung, nicht die Arbeitslast) noch weiter im Labor. Seit dem sechzehnten Lebensjahr war sie mit Rudolf Schroeder befreundet. Durch Hannelore und Rudolf lernten sich auch deren alleinstehende Eltern kennen, schlossen den Bund fürs Leben. Zwei Monate danach heirateten 1970 Hannelore und Rudolf. 1971 wurde Sohn Rainer geboren, in dessen Ehe 2005 und 2008 Enkelsöhne das Licht der Welt erblickten.