MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Irmgard Schreyer
Kirchlich engagiert, menschlich integer
Fischerstr. 6
04860 Torgau
Fon: 03421 / 904459
Durch Krieg und Vertreibung kam die 1943 geborene kleine Irmgard im Januar 1945 nach Torgau. Der Vater war noch im Krieg, die Mutter kam mit ihr und ihrem Bruder bei der Familie eines Patenonkels unter. Als sie 1959 die 10. Klasse beendete, hätte sie gerne noch das Abitur angeschlossen. Doch im Arbeiter- und Bauern-Staat wurde ihr das verwehrt, weil der Vater ein Angestellter im Kirchenamt war. So wurde aus dem Wunsch Kinderärztin zu werden nichts und sie suchte sich einen artverwandten Beruf, ließ sich 1959–1961 zur Säuglingspflegerin ausbilden und absolvierte 1961–1963 die Fachschule mit einem Examensabschluss als Kinderkrankenschwester. Ihr erster Einsatz erfolgte auf der Kinderstation des Torgauer Krankenhauses bis 1969. Nachdem sie 1968 den Landwirt Helmut geheiratet hatte und 1969 Sohn Dirk (Dipl.-Ing.) geboren wurde, nahm sie ein Jahr unbezahlte Freistellung in Anspruch, um sich der jungen Familie zu widmen. Der Wiedereinstieg ins Arbeitsleben scheiterte danach vorerst an einem fehlenden Krippenplatz, doch eine Bewerbung beim Kreisarzt löste gleich beide Probleme: Zum einen half man ihr bei der Unterbringung des Sohnes, zum anderen erhielt sie einen Arbeitsplatz als Hygieneaufseherin. 1971 begann sie als solche, qualifizierte sich 1972–1974 mit dem Besuch einer Fachschule, konnte sich danach Hygieneinspektor nennen. Seuchenschutz, Kommunal- und Lebensmittelhygiene in einem zugewiesenen Territorium waren nun ihre Aufgaben. Die zusätzliche fachspezifische Ausbildung zum Fachinspektor für Lebensmittelhygiene war Anlass, ihr mit die Verantwortung der Lebensmittehygiene des gesamten Kreises zu übertragen. 1989 wurde die Hygieneinspektion im Zuge der Wendeveränderungen aufgelöst, sie in die Lebensmittelüberwachung als Lebensmittelkontrolleur übernommen. Bis 2003 übte sie dieses Amt aus. Zu DDR-Zeiten mehr als beratendes Organ mit eindeutiger Gesetzmäßigkeit operierend, war die Arbeit nach der Wende mehr der Kontrolltätigkeit geschuldet, mit umfassender Gesetzlichkeit aber auch vielen Möglichkeiten der Auslegung, erzählt sie heute. Insgesamt ist das Leben jetzt nicht mehr so abgeschottet, den Kindern steht die Welt offen, Demokratie herrscht, man kann sagen, was man will, findet sie. Allerdings waren die Menschen aus den alten Bundesländer nicht immer nur Helfer bei der Entwicklung der neuen Bundesländer, sondern oft sehr Gewinnorientiert. Das schätzt sie nicht so, sondern Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit. So hat sie ihren Sohn und die Tochter Annett (geb. 1972, Angestellte bei der Stadtverwaltung) erzogen, vermittelt diese Eigenschaften ihren drei Enkeln. Sie liebt die Treffen in der Familie und ist auch kirchlich sehr engagiert. Seit 1988 ist sie Mitglied des Gemeindekirchenrates und langjähriges Chormitglied der Johann-Walter-Kantorei-Torgau.