MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Hans-Jürgen Schröder
Vom Landwirt zum Bibliothekar
Rentner Parteiner Ring 41 12687 Berlin
Er wächst auf dem Land auf. Die Mutter kümmert sich um den Haushalt und arbeitet im Kälberstall. Bereits als Kind muss er mitarbeiten (der Vater ist nach dem Krieg für tot erklärt worden) Er lernt bügeln, stopfen u. a. Hausarbeiten, hilft bei der Gemüseernte. Er will Kellner werden, hofft, über die Landwirtschaft seinen Wunschberuf zu erreichen.
1964 nach dem Abitur mit Berufsausbildung als Landwirt (es ist übrigens der erste Jahrgang mit Abitur und Berufsausbildung in der Landwirtschaft) arbeitet er auf dem VEG (Volkseigenes Gut) und wird zum Studium ans Institut für Landwirtschaft des ZK (Zentralkomitee) delegiert.Er studiert Philosophie, bricht das Studium ab, kommt zur Bereitschaftspolizei nach Basdorf und absolviert die Unteroffiziersschule.
Nach 15 Jahren Bereitschaftspolizei, beginnt er 1972 das Fernstudium für Bibliothekare in Leipzig und schließt es 1977 ab. Schon vor Studienbeginn hat er die Bibliothek der Unteroffiziersschule geleitet. E ist für den Einkauf der Bücher, die Ausleihe zuständig und organisiert Lesungen. Nachdem die DDR Mitglied der UNESCO geworden ist, gibt es auch Westliteratur, Titel, die auch in Buchhandlungen verkauft werden. In dieser Zeit baut er auch eine Bibliothek für Rentner auf. Das Lesen spielt in seinem Leben immer schon eine große Rolle.
1984, wieder im zivilen Sektor, übernimmt er ein kleines Gästehaus der Regierung. Gemeinsam mit seiner Ehefrau obliegen ihm die Verwaltung und die Versorgung der Gäste. Mit der Wende muss er das Gästehaus aufgeben. Danach erfüllt er sich, der eigentlich Kellner werden wollte, diesen Traum. Er arbeitet als Kellner im Schloss Biesdorf – allerdings nur kurze Zeit. Infolge verkauft er Zeitungen, ist Filialleiter der Bahnhofsbuchhandlung, dann Kassierer an der Tankstelle. Schließlich erwirbt er einen Zeitungsladen und macht sich selbständig. Mit Schließung des Ladens geht er in die Rente.
In der Freizeit ist er oft auf Reisen. Nach der Wende besucht er in der Literatur beschriebene Orte. In Mecklenburg Vorpommern geboren,, lebt er heute in in Berlin Marzahn. „Ja, ich bin hier angekommen und fühle mich auch als Berliner, insbesondere Marzahner,“ sagt er stolz und „Ich bereue nicht eine Sekunde meines Lebens.“ Glück bedeutet für ihn,„gebraucht zu werden.“ 69Jjährig, wünscht er sich: „Noch lange in Gesundheit auf dieser Welt wandeln - noch einmal nach Wien und Prag reisen.“