MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Oberingenier Wilfried Schreier
Erkenntnisse, Erfahrungen weitervermitteln, allgemein nützlich machen als treibende Motive
Fachspezialist für Schuhfertigung und Prüftechnik
Goethestraße 29
06667 Langendorf
Wilfried Schreier wurde am 17.07.1931 in dem böhmischen Grenzdorf Görsdorf im Kreis Reichenberg geboren, hier betrieb sein Vater eine Schuhmacherei. Im Sommer 1945 wurde die Familie aus der Heimat vertrieben und so erlernte er 1946 bei einem geachteten Orthopädieschuhmachermeister in Bad Dürrenberg das Handwerk seines Vaters. Nach der Gesellenzeit machte er sich in einer Weißenfelser Schuhfabrik auch mit der industriellen Schuhfertigung vertraut, um alsbald seine Berufskenntnisse an der Meisterschule für das Schuhmacherhandwerk in Siebenleben zu vervollständigen. Es folgten ein berufspädagogisches Studium in Leipzig, ein Lehramtsjahr an der Berufsschule in Burg, sein Ingenieurstudium an der Ingenieurschule für die Schuhindustrie in Weißenfels und später ein postgraduales Studium an der TU Chemnitz zum Fachingenieur für Kontrolltechnik der Textil- und Bekleidungsindustrie. Nach seiner Betriebsassistenzzeit in der Weißenfelser Schuhfabrik „Banner des Friedens“ ging er 1957 in die Zentralstelle für Forschung und Technik der Schuhindustrie. Ihm oblag der Auf- und Ausbau der Schuhprüfung, was ihm die erste internationale Aufmerksamkeit einbrachte. 1968 avisierte er im Forschungsinstitut für Schuhtechnologie (FIS) Weißenfels zum Abteilungsleiter Prüfwesen. Neben seiner Berufsarbeit war er Mitglied der „Sektion Bekleidungshygiene“ und ab 1973 ferner Leiter des „Fachausschusses Schuhe“ in der Kammer der Technik. Ab 1979 lehrte er zudem an der Ingenieurschule für Lederverarbeitungstechnik in der Fachrichtung Gestaltung als Honorardozent.
Er bewirkte im FIS die Herausgabe einer Werkstoffdatei, schrieb über 100 Fachartikel und ist Mitautor des „Lexikon der Schuhtechnik“ von 1983. Ein weiteres Fachbuch entstand 1988 in Zusammenarbeit mit dem analogen Prüf-Fachexperten Albrecht Meißner zum Thema „Prüftechnik und Qualitätskontrolle“. 1992 folgte seine Weiterbildungsschrift „Menschlicher Organismus und Bekleidungshygiene vom Schuh“. Als sich 1990 die Forschungsarbeit verringerte, widmete sich der Fachmann gewerbshistorischen Studien, die zu dem 2002 im ArpsVerlag erschienen Buch „Das deutsche Schuhgewerbe; Berufsstand, Zunftzeit, Handwerk, Schuhindustrie“ führten. Fachvorträge hielt er auf internationalen Kongressen, so in Plovdiv, Budapest, Krakau und Zlin.
Seine Arbeit fand Anerkennung durch die Verleihung des Titels Oberingenieur 1974, die bronzenen und silbernen Pettenkofer-Medaillen in den Jahren 1979 und 1983 und 2002 den Award für „wertvolle Arbeiten und Beiträge zur technischen Entwicklung in der Schuhindustrie“ durch die UITIC (Union Internationale des Techniciens de l’Industrie de la Chaussure). Als Vertriebener bemühte er sich um die historische Aufarbeitung der Eingliederung der Vertreibungsopfer im Kreis Weißenfels und unterstützt die Sudetendeutsche Landsmannschaft. In Weißenfels setzte er sich für einen Gedenkstein für die Toten der Vertreibung ein, der 2007 eingeweiht wurde.
Seine vielfältigen Tätigkeiten wären ihm ohne seine umsichtige und einfühlsame Gattin aus dem böhmischen Erzgebirge, die er 1956 ehelichte und die ihm 4 Kinder schenkte, nicht möglich gewesen. Sie nahm stets die Familien umsorgenden Pflichten im Langendorfer Landhaus wahr. Seine Kinder und Enkelkinder sind ihm heute Kraftborn und Freude im Alter.