MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Günther und Thea Scholz

Harte Zeiten, glückliche Zeiten

Günther und Thea Scholz

Schuhfacharbeiter
Näherin
Nach der Wachtel 10
04741 Roßwein

Ihre jungen Jahre waren von den Ereignissen des Krieges und die ebenso harte Nachkriegszeit geprägt, ihre Ehejahre und die Berufszeiten dürfen sie stolz auf das später Geleistete machen. Günther Scholz kam 1934 im schlesischen Ludwigsdorf (nahe dem Riesengebirge) zur Welt. Er wuchs als Einzelkind auf, musste den Eltern, die eine mittelgroße Landwirtschaft betrieben, früh mit helfen. Am 8. Mai 1945 kamen mit dem Ruhen der Waffen die sowjetischen Soldaten, es kam zu Plünderungen und nach Übernahme der Gebiete durch Polen zu chaotischen Zuständen. Im Dezember 1946 mussten sie die Heimat verlassen, es ging über Auffanglager bis ins sächsische Roßwein. Hier wurde die Familie gut aufgenommen und der junge Günther konnte den für zwei Jahre unterbrochenen Schulbesuch wieder aufnehmen, erhielt von einem der Lehrer individuelle Unterstützung. 1948 schloss er die Schule ab, begann für ein Jahr in der Schuhfabrik „Haupt“ als Arbeiter. Dann konnte er 1949 in Großharthau mit Internatsbetrieb seine Facharbeiterausbildung aufnehmen, 1951 abschließen. Er kehrte ins Werk zurück, das dann zum VEB Roßweiner Schuhfabrik gehörte, mit dem VEB Hammer Schuh zusammengelegt wurde und letztendlich im VEB Terra-Schuhfabrik Roßwein aufging. Er arbeitete als Zuschneider, ging für das Werk auch auf Einkaufstour quer durch die Republik, erlebte die Jahre, als für die Firma „Salamander“ (also für den Westexport und die Devisenbeschaffung) produziert wurde, kannte die Engpässe nicht nur bezüglich des Leders bei der Materialbeschaffung der DDR bestens aus eigener Anschauung. 1991 ging er, noch bevor das Werk bald endgültig abgewickelt wurde, mit weiteren 80 Kollegen in den Vorruhestand. Seine Frau Thea kannte er schon aus dem Betrieb, ehe es beim Tanz im „Lindensaal“ endgültig funkte. 1956 wurde geheiratet. Nun glänzt ihr Eheglück schon diamanten. Als Thea Zschochelt hatte sie 1935 schon in Roßwein das Licht erblickt, in jener Wohnung, die heute wieder dem Ehepaar als Heimstatt dient. Nur, ihr Vater fiel 1942 im Krieg, bereits 1941 war die Mutter verstorben. So wuchs die junge Thea mit der Zwillingsschwester bei den liebevollen Großeltern auf. Im Roßweiner Werk des VEB EKO (Erstlings- und Kinderbekleidungswerk Oschatz) absolvierte sie ihre Lehrausbildung. Wechselnde Aufgaben übernahm sie später in der Schuhfabrik, in der Zigarrenfabrik und zum Schluss im Betriebsteil Roßwein des VEB ELMO (Elektromotorenwerk). 1956 war Tochter Angela geboren worden, 1965 folgte Tochter Kathrin. Zwei Enkelsöhne, fünf Urenkel erweiterten die Familie. Im Jahr 2002 hatte das Ehepaar beim großen Hochwasser der Freiberger Mulde einer befreundeten Familie geholfen, sie auch drei Wochen bei sich einquartiert. Dies wurde im Rathaus mit einer Ehrenmedaille gewürdigt.
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