MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Dr. rer. nat. Heike Schreer

Lebenshilfe und der Blick in die Zukunft

Heike Schreer

Dipl.-Chemikerin
Fröbelstieg 6
07743 Jena
Fon: 03641 / 823961

Blickt sie in die Zukunft, hat sie keinen anderen Wunsch als noch lange zu leben und dies, um noch lange für ihren derzeit 41-jährigen Sohn Uwe da sein zu können. 1974 geboren, wurde seine Behinderung 1975 festgestellt. Stets steht sie ihm gemeinsam mit Ehemann Klaus zur Seite und auch ehrenamtliche Tätigkeit ist adäquat angelegt. Heike Schreer, geboren am 02.03.1948 in Weimar, gehört dem Verein Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung an, war lange Zeit stellvertretende Vorsitzende, später Vorsitzende und ist heute wieder Stellvertreterin. Den Vorsitz gab sie ab und selbiger wurde von der Politikerin Birgit Diezel übernommen. Den beruflichen Grundstock legte Heike Schreer beim Ablegen des Abiturs mit Berufsausbildung zur Präparatorin für Ur- und Frühgeschichte.. Einen Studienplatz für Archäologie zu erhalten, war zu DDR-Zeiten kaum möglich. Inspiriert von sehr guten Chemielehrern begann sie 1966 ihr Studium der Chemie und beendete es 1971 diplomiert. Während eines sich anschließenden Forschungsstudiums promovierte Heike Schreer zum Dr. rer. nat. Der Friedrich-Schiller-Universität Jena blieb sie treu, begann am Institut für organische Chemie und wechselte ans Institut für anorganische Chemie. Nachdem sie ab 1975 zur Pflege ihres Sohnes zu Hause blieb, bot ihr Prof. Egon Uhlig die seltene Chance, von zu Hause aus wissenschaftliche Recherchen durchführen zu können. Im damals sehr fortschrittlichen Jena gab es schon 1976 eine der seltenen Kindertagesstätten für Kinder mit Behinderung, welche ihr Uwe besuchte. Heike Schreer ging zurück in den Bereich der anorganischen Chemie, forschte an chemischen Verbindungen, die Reaktionen katalysieren können, fungierte darüber hinaus als Praktikumsbetreuerin wie -leiterin und hielt Vorlesungen für den Studiengang Umweltchemie. Berufliche Kontinuität konnte sie auch über die Wende hinweg beibehalten und ging 2013 in Rente. Freundliches Entgegenkommen und Verständnis für ihre Situation empfing sie stets durch Kollegen. Größte und wichtigste unterstützende Hilfe jedoch bekam sie durch ihren Ehemann, der beruflich aus einem gänzlich anderen Genre kommt. Der studierte Musiker, Musiklehrer und Chorleiter fand seinen Arbeitsort über vier Jahrzehnte in Gera. U. a. leitete er die Singakademie, das Jugendorchester der Musikschule oder den Betriebschor des VEB Modedruck – einem DDR-Aushängeschild. Sohn Uwe lebt seit 2001 in einem Wohnhaus der Lebenshilfe, doch die gemeinsam verbrachten Wochenenden und Urlaubsreisen genießen die Drei wie kaum eine andere Familie.
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