MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Prof. Dr.-Ing. Günter Schramm

Ein zweites Leben würde nicht anders verlaufen

Günter Schramm

Leubnitzer Str. 15
01069 Dresden
Fon: 0351 / 4726144

Geboren 1930 in Breslau wuchs Günter Schramm in einer Arbeiterfamilie auf. Die Flucht aus der Festung Breslau führte ihn 1945 nach Zwickau, wo er das Endes des Krieges erlebte. 1946 konnte er im Reichsbahnausbesserungswerk Zwickau eine Maschinenschlosserlehre aufnehmen. Nach Lehrabschluss arbeitete er als Lokomotivschlosser und begriff, "dass nur wir selber nach dem schrecklichen Krieg unserer Zukunft gestalten können und hart zupacken müssen." Delegiert zum Arbeiterstudium legte er an der Vorstudienanstalt Leipzig 1949 das Abitur ab. Die Möglichkeit als Arbeiterkind studieren zu können konnte er kaum fassen, und wollte alle seine Kraft einsetzen, um sich dieser Chance würdig zu erweisen. Von 1949–1954 studierte er an der Technischen Hochschule Dresden Maschinenbau und spezialisierte sich auf den Energiemaschinenbau. Als Diplomingenieur wollte er der Gesellschaft das zurückgeben, was sie ihm durch die Ermöglichung des Studiums gegeben hatte, indem er mit hohen Leistungen mit bauen wollte an einem friedlichen Deutschland ohne Kapitalismus, in dem alle gleiche Chancen haben ohne Rücksicht auf Herkunft und Geldbeutel. Ab 1954 arbeitete er im Kaftwerkanlagenbau und baute mit einem Kollektiv junger Ingenieure gemeinsam mit dem Görlitzer Maschinenbau und Bergmann Borsig Berlin die Entwicklung von Gasturbinen in der DDR auf. das Team führte die Entwicklung einer 35 MW Gasturbinenanlage in den 60er Jahren zur Serienreife. Es war die erste Anlage dieser Art in den sozialistischen Ländern, und 24 Anlagen kamen in der DDR in fünf Spitzenlastkraftwerken zum Einsatz. In den 70er Jahren war Günter Schramm maßgeblich an der Erprobung des Prototyps des ersten 500 MW Dampfkraftblockes der DDR beteiligt. Dieser dem Weltstand entsprechender Braunkohle-Kraftwerksblock war die Basis der Energiewirtschaft der DDR der 80er Jahre. Zehn Blöcke wurden in den Kraftwerken Boxberg und Jänschwalde installiert und sind heute noch im Einsatz. Die Beteiligten an dieser Entwicklung wurden mit hohen staatlichen Auszeichnungen wie Nationalpreis und Vaterländischen Verdienstorden geehrt. 1968 promovierte Günter Schramm zum Dr.-Ing. und habilitierte sich 1979. 1979 wurde er an die TU Dresden zum Professor für Strömungsmaschinen berufen und kehrte dorthin zurück, wo sein akademischer Weg begonnen hatte. 1983–1991 war er Direktor der Sektion Energieumwandlung, an der jährlich etwa 200 Studenten zum Diplomingenieur ausgebildet wurden. Während der Tätigkeit an der TU hat er zwei Fachbücher geschrieben, zwanzig Artikel in Fachzeitschriften veröffentlicht und 42 Gutachten zu Dissertationen angefertigt. Da er in der DDR die Möglichkeit hatte, wissenschaftliche Kontakte zu Hochschulen und Betrieben in der BRD zu pflegen, erhielt sein Institut unmittelbar nach der Wiedervereinigung Forschungsaufträge aus den alten Bundesländern, so dass keine Entlassungen von Mitarbeitern notwendig wurden. Mit dem neuen Hochschulgesetz in Sachsen 1992 mussten sich alle Professoren für ihren Lehrstuhl neu zur Berufung bewerben. Als "staatsnah" geltend bekam Professor Schramm keine Chance eingeräumt. So begab er sich nach fast vier erfolgreichen Dekaden 1993 in den Ruhestand. Voller Stolz konnte er verfolgen. dass einer seines Absolventen auf seinen Lehrstuhl berufen wurde und viele von ihnen heute in Spitzenpositionen im In- und Ausland arbeiten. Prof. Schramm ist seit 1952 verheiratet, hat zwei Kinder, fünf Enkel und fünf Urenkel und blickt auf ein erfülltes und glückliches Leben zurück. Das Ehepaar meint, gäbe es ein zweites Leben, sie würden nichts anders machen.
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