MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Christa und Reinhold Schober
„Genieße den Tag“ – Rüsemee des Lebens eines Ehepaares
Sekretärin
Frequenzmechaniker, Dipl.-Ing. für Elektrotechnik
Am Regenbogen 16
09306 Rochlitz
Reinhold Schober wurde 1935 in Herrmannseifen (Riesengebirge) als eins von sieben Kindern geboren. Sein Vater war Fabrikarbeiter, die Mutter zuhause (zuvor Weberin) um die Familie zu betreuen. „Wir hatten eigentlich von allem genug, wohnten in einem großen, 300 Jahre alten Haus, das halb aus Stein und halb aus Holz gebaut war. Meine Eltern haben nur für ihre Kinder gelebt. Meine Mutter hatte fünf Ziegen und Hühner, half Bauern bei der Ernte. Es gab viel Obst (im Winter auf dem Heuboden gelagert), reichlich Eier, Milch, Fleisch aus der Selbstversorgung“ berichtet er aus seiner Kindheit. Und weiter, indessen jährlich zu einem Treffen in den Ort zurückzukehren und in einem Hotel zu übernachten, das einst das Schulgebäude war in dem er 1941–1944 lernte. Dann wurde die Schule geschlossen, wurde Unterkunft für Flüchtlinge. Als Schüler der 4. Klasse erlebte er die Vertreibung aus der Heimat – ohne Vater, den die Tschechen inhaftiert hatten. Später kehrte der zur Familie zurück, war jedoch gebrochen und krank und verstarb kurz darauf. Die Mutter und seine vier älteren Schwestern hielten die Familie aufrecht. Über Rochlitz ging es nach Lunzenau. Reinhold Schober beendete 1951 seine schulische Ausbildung auf der Oberschule, lernte danach im VEB Sternradio Rochlitz den Beruf des Frequenzmechanikers. 2 ½ Jahren Lehre folgte ½ Jahr praktische Arbeit, bevor Reinhold Schober an der ABF (Arbeiter- und Bauern-Fakultät) ein Studium Elektrotechnik aufnahm. Mittels Stipendium und Büchergeld seines delegierenden Betriebes, sowie seiner ausgezeichneten Leistungen konnte er diese Ausbildung als Dipl.-Ing. Elektrotechnik abschließen. Als Entwicklungsingenieur kehrte in den VEB Sternradio zurück, wurde später Gruppenleiter, dann Abteilungsleiter der Abteilung Forschung und Entwicklung und trug 1987–1990 als Direktor der Betriebsakademie Verantwortung. Gerne erinnert er sich daran, dass er „trotz Westverwandtschaft 1. Grades“ zu Messen in das Ausland fahren und selbst in Griechenland die Erzeugnisse seines Betriebes ausstellen durfte. Ehefrau Christa konnte ihn dabei sogar manchmal begleiten, berichtet er. Sie, 1938 als Tochter eines selbstständigen Gärtnermeisters (Landschaftsgärtner) und seiner mithelfenden Ehefrau in Dresden geboren, erlebte als Kind die Bombardierung Dresdens mit. „Wir verloren alles, hatten nichts mehr. Alles war in Flammen aufgegangen, die Oma mit verbrannt. Auf dem Trinitatisriedhof saßen wir auf einer Bank, warteten die Angriffe ab, bereit nötigenfalls in einer Gruft Zuflucht zu suchen um zu überleben. Andere liefen auf der Flucht vor den Bomben und den Flammen an die Elbe. Sie wurden von Tieffliegern erschossen. Verwandte in Radebeul nahmen uns und viele andere obdachlose Familienmitglieder auf. Als die Russen kamen, trieben sie die Menschen aus den Kellern und verlangten ihnen Uhren Trauringe und andere Wertgegenstände ab. Wie sie mit ihren Maschinenpistolen da standen, das sehe ich heute noch...“ erzählt sie. Doch alle überlebten. Auch ihr Vater und der große Bruder kehrten später aus dem Krieg zurück. Auf den Trümmern der Häuser wurden Schilder mit Nachrichten der ehemaligen Bewohner befestigt damit sich alle wiederfinden konnten. „Es war schon schlimm“ sagt sie rückblickend. Nach der Schule durchlief sie Weiterbildungen (Steno, Schreibmaschine), arbeitete erst als Kontoristin, Sekretärin, später als Zeichnerin, Registratorin, Disponentin beim Krankentransport und Hilfskraft im Kindergarten und schließlich als Sekretärin im Pädagogischen Kreiskabinett bis zur Wende. Als Schulsekretärin beendete sie schließlich ihre berufliche Laufbahn. Jeweils drei Jahre blieb sie nach den Geburten der Töchter Katrin und Anja zuhause. „Damit mal was aus ihnen wird“ hatten die Eheleute so entschieden. Das ist gelungen, die beiden sind Musikerin und Ärztin geworden und haben für zwei Enkelkinder gesorgt. Wandern und tanzen, basteln sind heute Hobbys des seit 1963 verheirateten Paares. Zusammenhalt ist ihnen wichtig, und Glück ist für sie das Wohlergehen der Kinder.