MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Adelheid Schneeweiß
„Für eine Sache leben und sterben“ war immer ihr Motto
Ring der Chemiearbeiter 31
06792 Sandersdorf
Fon: 03493 / 88823
Adelheid Schneeweiß, 1942 geborene Adelheid Gielsok, wurde im Haus der Großeltern groß, weil die Mutti zeitig verstorben war und der Vati eine neue Familie gegründet hatte. Nach der 8. Klasse wechselte sie auf die Oberschule, die sie mit der 11. Klasse verließ. Es lief nicht so gut zu Hause. Das Verständnis des jungen Mädchens kollidierte mit dem der Großeltern und sie begehrte auf. Der Grund: Den ersten Lohn für eine Ferientätigkeit hätte sie gerne in einen Ostseeurlaub mit Freunden investiert, doch der Großvater forderte das Geld ab, um einen neuen Wintermantel für sie zu kaufen. Ihre daraus folgende – und aus heutiger Sicht falsche – Entscheidung war, die Schulbildung abzubrechen und eine Arbeit aufzunehmen, um unabhängig zu werden. Geld wollte Sie verdienen und sich damit die Möglichkeit schaffen ein Jahr später am Lehrerinstitut in Ballenstedt eine Ausbildung zu beginnen. Doch es kam anders. Sie lernte ihren ersten Mann Manfred Wolf (geheiratet 1963, † 1969) kennen, qualifizierte sich an der Betriebsakademie zum Chemie-Facharbeiter für Faserchemie. In drei Schichten als Anlagenfahrerin arbeitete sie zu der Zeit in der Filmfabrik Wolfen. Sie erinnert sich an die Kollektivität, die herrschte und gegenseitige Hilfe und Ersetzbarkeit garantierte. Und auch an den Umgang mit den Menschen und die Anerkennung besonderer Leistungen – und sei es nur durch ein kleines Geschenk und ein besonderes Werksessen für die Werktätigen, die Feiertagsarbeit zu Weihnachten verrichten mussten. Eine weitere Qualifikation zur Laborantin konnte sie nicht mehr wahrnehmen, weil sie mit nur 27 Jahren verwitwete. „Ich habe viel Federn im Leben lassen müssen“, erzählt sie und erinnert sich an mehrere Fehlgeburten und den ebenfalls frühen Tod ihres zweiten Mannes Franz Schneeweiß, den sie 1982 geheiratet hatte und der 1990 starb. „Aber ich bin auch immer an Erfahrung reicher geworden“, beschreibt sie den Kampf um ihren Platz im Leben. Ihre Offenheit, ihr auf die Menschen zugehen, ihr Verständnis für andere, hat ihr gute Freunde beschert. Als BGL-Vorsitzende sorgte sie im Arbeitsleben für die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Kollegen, absolvierte 1973–1974 eine Gewerkschaftsschule. Als die Arbeitsintensität begann die Gesundheit anzugreifen, wechselte Adelheid Schneeweiß als Heimerzieherin in das Lehrlingswohnheim des CKB Bitterfeld, später als Disponentin in die Lagerwirtschaft. Ihre Aufdeckung von Ursachen für Inventurdifferenzen und die Entwicklung eines Qualitätssicherungssystems kam in einer Zeit der Plankorrekturen und des Statistikschwindels bei Kollegen gar nicht gut an. Das Beschönigen der Misswirtschaft bei ihr hingegen ebenso wenig. Diese sehen und nicht ändern können, war nichts für sie, weshalb sie kurzerhand kündigte. Als Arbeitsvorbereiter nahm sie neue Tätigkeit auf, war bis zur Wende so aktiv. Die Reduzierung der Belegschaft von ca. 2500–3000 auf 570 Beschäftigte überstand sie unbeschadet, wurde 57 Jahren arbeitslos und ging mit 63 Jahren vorzeitig in die Rente. Seit 2011 Mitglied im Fitnesstreff in Sandersdorf, ist ihr Leben als Alleinstehende wieder lebenswert. Die Sportfreunde sind zur Familie geworden. Sie fühlt sich in ihrer Mitte wohl und verdankt ihnen den 70. Geburtstag als besonderes Erlebnis würdig gefeiert zu haben. Adelheid Schneeweiß empfiehlt ihren Lieblingsschriftsteller Wladimir Kaminer Hobbygärtnern und Freunden des englischen Humors – besonders sein Buch „Mein Leben im Schrebergarten“.
Sie genießt ihre neu gestaltete, schöne Wohnung und freut sich, wenn es anderen und ihr selbst gut geht.