MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Wolfgang und Ursula Schmidt
Angeeckt und angekommen
Ehem. Geschäftsführer NEMA Netzschkau
08427 Fraureuth
Die politischen Verhältnisse in der DDR waren für Wolfgang Schmidt kein Grund zur Freude. 1947 wurde er in Meuselbach-Schwarzmühle (Thüringer Wald) geboren, doch als sein Vater, der dort einen Mechanikbetrieb besaß, 1951 wegen Lappalien verhaftet und enteignet wurde, zog er mit der Mutter nach Sebnitz in der Sächsischen Schweiz. Hier besuchte er die Schule, sollte an der Erweiterten Oberschule das Abitur ablegen, wurde jedoch relegiert, seine Einstellung passe nicht zu einem „sozialistischen“ Schüler. Auch sein Versuch, den Abschluss an der Abendschule nachzuholen, wurde vereitelt. Seine Lehre als Bauschlosser absolvierte er bei der privaten Fa. Richard Wagner. Die Übernahme des Lehrbetriebes wurde 1967 und 1970 aus politischen Gründen abgelehnt. Dann griff die Armeepflicht, bei der er den Dienst mit der Waffe verweigerte und als Bausoldat in Tangermünde eingesetzt war. Wieder zivil unterwegs, begann er als Montageschlosser im Sebnitzer Hebezeugwerk, fand hier den fördernden Vorgesetzten, der ihm eine Delegierung zur Ingenieurschule Maschinenbau (drei Jahre Direktstudium) ermöglichte. Als er wiederkam, gehörte der Betrieb schon zum Kombinat Fortschritt Landmaschinen. Er war als wissenschaftlicher Mitarbeiter in den Bereichen Marktforschung, Lizenzen, Patente tätig, konnte in sechsjährigem Fernstudium an der TU Dresden als Diplom-Ingenieur abschließen. Die Dissertation wurde kassiert, als er 1979 versuchte, die DDR gen Bundesrepublik zu verlassen. 1983 wurde der in der Untersuchungshaft gestellte Ausreiseantrag genehmigt. Mit seiner Familie war er in Balingen (Schwäbische Alb) ansässig. Er absolvierte 1983 ein Zusatzstudium Marketing an der TA Wuppertal und begann dann als Entwicklungsingenieur bei der Fa. CoSi Elektronik in Sigmaringen (1984–1988), arbeitete für den Textilmaschinenhersteller Fa. Weiß in Balingen und ab 1989 für die Fa. Vötsch im Bereich Umweltsimulation im Heraeus-Konzern, dann von der Siemens AG übernommen und wechselte 1990 als Geschäftsführer Technik und Vertrieb zur NEMA Industrietechnik (Heraeus) ins Westsächsische. Zehn Jahre pendelte er von Baden-Württemberg dorthin, dann fand sich in Fraureuth ein Haus, welches er fertigbauen konnte, wo er heute mit seiner Frau Ursula (Heirat 1968) in den Zeiten des Ruhestands angekommen ist, auch wenn er im Bereich alternative Energieerzeugung weitere Aktivitäten entfaltet hat. Ursula Schmidt war nach einer Ausbildung zum Industriekaufmann und Qualifizierung zum Wirtschaftsingenieur an der Ingenieurschule Altenburg im Großbetrieb VEB Kunstblume in Sebnitz, zuletzt bei der Balinger Sportartikelfirma Uhlsport tätig. Zwei Töchter, drei Enkel zieren die Familienbilanz.