MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Siegmar und Doris Schmidt

Humor ist, wenn man trotzdem lacht

Siegmar und Doris Schmidt

06772 Gräfenhainichen OT Möhlau

Siegmar und Doris Schmidt gehören eigentlich nicht zu den Gewinnern der Wende, und haben sich seitdem doch mehr schaffen können, als in den Jahren zuvor, erzählen sie. Dabei waren sie mit die ersten von Arbeitslosigkeit betroffenen Menschen in der Region. Siegmar Schmidt, 1949 geboren und in den Jahren an der Kinder- und Jugend-Sportschule „Friedrich Engels“ in Halle charakterlich geprägt, musste seine sportliche Laufbahn (Weit- und Dreisprung, Mehrkampf) einer Verletzung wegen aufgeben. Er lernte den Beruf eines Werkzeugmachers im Waggonbau Ammendorf (1966–1969), absolvierte danach seinen Wehrdienst bei der VP-Bereitschaft in Halle (1969–1970). Zurück in Möhlau bewarb er sich im BKK Bitterfeld als Lehrausbilder in der Polytechnik, wurde als Arbeitsvorbereiter eingesetzt und zum 3-jährigen Fachschulstudium delegiert in Vorbereitung auf die Lehrausbildertätigkeit. Mit einem Zusatzstudium am Institut für Lehrerbildung in Halle erwarb er die notwendigen pädagogischen Fertigkeiten. Auf Grund seiner Leistungen wurde er bereits während seiner Qualifizierung ab 1973 als Lehrmeister eingesetzt und blieb in dieser Tätigkeit bis 1991. Seit der Wende als Lehrer eingesetzt und dem Schulrat unterstellt, erfolgte die Entlassung von einem Tag auf den anderen mit der direkten Ansprache des Schulrates: „Ab morgen brauchst du nicht mehr erscheinen, bist freigestellt....“ – und das war er dann auch nach einem halben Jahr Kurzarbeit bei vollem Gehalt. Sechs Jahre arbeitete er danach als Sozialarbeiter im Asylheim Möhlau, sieben Jahre als Heimleiter im Asylheim Dessau und war die letzten sechs Jahre vor der Rente als technischer Mitarbeiter für Wasser- und Abwasseranlagen in Möhlau verantwortlich. Seiner Frau Doris erging es nicht viel anders. 1954 geboren, hatte sie sich in der Filmfabrik Wolfen zum Chemiefacharbeiter ausbilden lassen. Mit der Wende erging hier an die Angestellten die Aufforderung, sich zur Qualifizierung in die alten Bundesländer schicken zu lassen, anderenfalls für den Betrieb nicht mehr benötigt zu werden. Doch Doris Schmidt erkannte die fehlende Perspektive, sah zudem in dem indessen fehlenden Berufsverkehr das Problem von Möhlau aus den Wolfener Betrieb weiter zu erreichen. So war auch sie erst von Kurzarbeit, dann von Kündigung betroffen. Allerdings gelang es ihr ab 1992 im Asylbewerberheim Möhlau die Arbeit aufzunehmen, war hier bis Mai 1997 als Küchenhilfe tätig. Arbeitslosigkeit, ABM, kurze Tätigkeiten in einer Gaststätte, als Verkäuferin und Reinigungskraft wechselten sich ab. Ziel der Arbeitgeber war es hierbei aber nicht eine Stelle nachhaltig zu besetzen, sondern einjährige Förderungsmaßnahmen auszuschöpfen. Für Doris Schmidt somit immer ein Zustand zwischen Hoffnung und Enttäuschung, trotz engagierter Arbeit. Die Schmidts sehen klar, dass sich manches verbessert hat seit der Wende. Sie sehen aber auch, dass die Menschen in der DDR sozial abgesichert waren, keine schlaflosen Nächte kannten. Diese Planungssicherheit vermissen sie heute. Und trotzdem sind sie optimistisch, leben freudvoll und der Heimat verbunden. Seit 1980 ist Doris in der Freiwilligen Feuerwehr Möhlau aktiv, 1974–2005 war sie im Kegelverein. Die Liebe zum Sport hat auch Siegmar Schmidt nie verlassen. Viele Jahre hat er aktiv Fußball gespielt, war 1974–1996 Mitglied der Vereinsleitung und viele Jahre Schiedsrichter. Heute leben die Schmidts ihren Frohsinn im Faschingsclub aus, dessen Gründungsmitglieder sie 1990 mit waren. Dass Tochter Annett den Vater in seiner Rolle des Vereinsvorsitzenden (1996–2007) abgelöst hat, zeigt, wie sich der Kreis der Familie schließt. Und als Opa ist Siegmar Schmidt noch auf viele Fußballspiele des Enkels gespannt!
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