MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Gerda Schmitz
Frieden, Frieden und nochmals Frieden
Großhandelskaufmann und Finanzökonom
Im Ruhestand
17034 Neubrandenburg
Den Krieg hasst Gerda Schmitz aus tiefster Seele. Die im Jahr des Reichstagbrandes geborene verlor im Krieg der Nazis ihren Vater und zwei Brüder. Der tiefe Schmerz der Mutter über den Tod des Mannes und ihrer beiden Söhne übertrug sich auch auf die am Ende des Krieges erst zwölfjährige Gerda und begleitete sie lebenslang. So kann sie nicht verstehen, dass schon wieder deutsche Soldaten mit ihren Waffen Leid und Verderben in die Welt tragen. Der Schwur vieler Millionen Menschen nach der Niederlage der Faschisten: „Nie wieder Krieg!“ scheint vergessen zu sein.
Nach den Unterbrechungen der Schulzeit 1945 wurde der Unterricht allmählich wieder regelmäßiger und Gerda Schmitz konnte 1948 das Abschlusszeugnis in Empfang nehmen. Nach der Ausbildung zum Großhandelskaufmann arbeitete sie ab 1951 mehrere Jahre im Bereich Finanzen der Hauptverwaltung Ausbildung des Ministeriums des Innern und später der Kasernierten Volkspolizei. Ihre Arbeitsstelle war Fünfeichen in ihrer Heimatstadt Neubrandenburg, wo sie 1933 auch geboren wurde. Die meiste Zeit ihres Berufslebens war sie jedoch im Volkseigenen Betrieb Wasserversorgung und Abwasserbehandlung tätig. Sie begann hier im Jahr 1959 zu arbeiten und verließ ihn 1990 bei seiner „Abwicklung“. Dienstreisen führten sie in dieser Zeit durch die ganze Republik, es war anstrengend aber auch sehr interessant. Und sie qualifizierte sich in einem vierjährigen Fernstudium an der Finanzschule Gotha zum
Finanzökonomen. Mit ihrem Mann Karl-Heinz, einem gelernten Maler, der sich als Lehrmeister und Polier beim Wohnungsbaukombinat einen guten Ruf erwarb, zog sie fünf Jungen und zwei Mädchen groß.
Der nach dreiundfünfzig gemeinsamen Jahren verstorbene Ehemann fehlt Gerda Schmitz sehr, aber ihre große Familie hilft ihr über den Schmerz hinweg und so freut sie sich auf jeden Besuch ihrer Kinder und die traditionellen Familientreffen. Glück ist für sie, wenn sie mit ihren Lieben teilen kann, sowohl Gut und Geld als auch Freud und Leid. Ungleichheit ärgert sie und macht sie zornig: „Was ich selber habe, gönne ich auch allen anderen Menschen“. Auf diese Lebenseinstellung hofft Gerda Schmitz auch bei ihren Mitbürgern. Einen großen Wunsch hätte sie noch: „Ich möchte in die Zukunft sehen können“. Dies wird aber wohl für immer ein Traum bleiben. Aber wer wünscht es sich nicht?