MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Johanna Brehm

„Man ist dann frei, wenn man seine Abhängigkeit selbst wählen kann.“ (Bodo Schäfer)

Johanna Brehm

Schäferin, Rinderzüchterin
Zur Schäferei 2
09569 Oederan OT Wingendorf
Fon: 037321 / 249

Als Tochter eines Schäfers und einer Hausfrau 1932 geboren, prägte der Beruf des Vaters bereits die Kindheit der kleinen Johanna. „Wenn ich aus der Schule kam nahm mein Vater mir den Ranzen weg und ich musste Schafe hüten“ erzählt Johanna Brehm heute davon. Nachdem die Eltern sich lange gequält hatten aus dem umgeackerten Land eines Flugplatzes ertragreiches Bodengelände zu machen, kam bald nach dem Gelingen die Kollektivierung in der Landwirtschaft. Das städtische Land wurde von der LPG übernommen. Der Vater trat der LPG als Schäfer nicht bei, kaufte ein heruntergewirtschaftetes Gut und baute hier seine eigene Schäferei auf. Tochter Johanna absolvierte die 8-klassige Schule, arbeitete dann bei ihrem Vater. Eine Lehre absolvierte sie nicht, denn die Nachkriegszeit war schwer, eine Lehrstelle zu erhalten nahezu unmöglich und zudem wurde ihre Hilfe in der väterlichen Schäferei gebraucht. Das noch mehr als ihre Mutter starb. Die junge Johanna war zu der Zeit gerade erst 16 Jahre alt. Als der Vater die Schafherde auflöste blieb die junge Frau eine Zeit lang zuhause in der eigenen Landwirtschaft tätig und arbeitete später in der Gemeinschaftsschäferei Rossau bis 1960. Als auch diese aufgelöst wurde wechselte sie in die Schäferei Wingendorf. Indessen mit Wilfried Brehm (Zimmermann, verstorben 2015) verheiratet und Mutter von Sohn Mathias (geb. 1962, Traktorist, Spediteur) und Tochter Martina (geb. 1967, Rinderzüchterin), zog die Familie wegen diesem Arbeitsstellenwechsel nach Wingendorf in ein Haus nahe der Schäferei, das Johanna Brehm heute noch bewohnt. Der Zusammenschluss von drei LPGn führte 1975 zur Auflösung der Schäferei wegen fehlender Rentabilität. Johanna Brehm war bis dahin alleine für die 300–400 Schafe verantwortlich und hatte schwere Arbeit zu verrichten. Sie erinnert sich daran im Keller 1000 Zentner Rüben für den Winter eingelagert zu haben und „alle mit dem Buckel nach oben geschleppt“ zu haben um sie zu den Schafen bringen zu können. „Alles habe ich mit den Körben geschleppt“ berichtet sie und davon ein Pferd als einzige Hilfe gehabt zu haben. „Wenn das mein Vater sehen könnte, wie Landwirtschaft heute geht.....“ resümiert sie dazu. Nach Schließung der Schäferei (50 Schafe übernahm sie in private Haltung) wechselte sie 1975 in die Rinderzucht, erwarb den entsprechenden Facharbeiterabschluss und arbeitete hier bis zur Wende. Über den Vorruhestand ging sie in den Ruhestand. „Wenn ich nochmal 20 wäre und mit dem Verstand von heute – ich würde auch wieder Schäferin werden. Die Unabhängigkeit, die Freiheit hat mir so gut gefallen.“ bringt sie ihre Freude am Beruf und die Liebe zu den Tieren zum Ausdruck. „Ich lass mir nicht alles gefallen, lege Wert auf Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit“ sagt die agile Frau. Sie ist stolz auf das Erschaffene und verbringt ihre Zeit auch heute noch am liebsten mit Tieren. Die Möglichkeit dazu hat sie in der nahen Umgebung und mit „ihren Viechern“. Ihr größter Wunsch ist, dass sich die Ziele ihres Enkels Tobias erfüllen und natürlich auch die anderen drei Enkelkinder und Urenkel Glück und Zufriedenheit finden.
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