MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Rudolf und Waltraud Brause
Fürs Lernen war es nie zu spät
Weber, Rohrschlosser
Weberin, Zwirnerin
08451 Crimmitschau
Als er mit sechzig Jahren noch den Führerschein fürs Auto machte, bestand er auch diese Herausforderung. Die Umstände der Zeit (Krieg, Nachkrieg) hatten wenig geordnetes Lernen ermöglicht. Die Schule schloss Rudolf Brause mit der 7. Klasse ab, dann waren in dem Gebäude Flüchtlinge aus Schlesien einquartiert, das war im Winter 1944/45. Geboren 1931 und aufgewachsen im böhmischen Braunau (Broumov) am Ostrand des Riesengebirges, erlebte der Sohn eines Eisenbahners 1946 mit der Familie die Aussiedlung der deutschen Bevölkerung aus den sudetischen Landstrichen. Sie fanden Aufnahme im westsächsischen Neukirchen (wenige Kilometer südlich von Crimmitschau). Als ungelernter Hilfsarbeiter begann Rudolf Brause in der Tuchweberei der Firma der Gebr. Förster. Hier konnte er sich später zum Weber mit Facharbeiterstatus entwickeln. Hier lernte er auch seine Frau Waltraud (Heirat 1955) kennen, die sich dort zur Weberin und Zwirnerin qualifizieren konnte, später sogar vietnamesische Gastarbeiter anlernen durfte. Waltraud Brause blieb dieser Arbeit, diesem später verstaatlichten Betrieb 41 Jahre treu, bis sie 1991 in den Vorruhestand ging, obwohl ihr eine Abfindung verweigert wurde. Rudolf Brause hatte nach neunzehn Jahren in der Tuchfabrik Sehnsucht nach mehr Verdienst, schließlich waren inzwischen auch die drei Söhne der Familie zu bedenken. Er wechselte zum VEB Rohrleitungsbau Werdau, ließ sich zum Rohrschlosser umschulen, erwarb die Befähigung zum Arbeitsschutz, bestand die Prüfungen nach den Schweißerlehrgängen. Nur war er jetzt oft in der Woche nicht zu Hause, denn als bauleitender Monteur einer dreißigköpfigen Gruppe ging es durch das ganze Land. Das Chemiewerk in Böhlen, das Hydrierwerk Zeitz, das Braunkohlekombinat „Schwarze Pumpe“ in der Lausitz, das Zementwerk in Karsdorf an der Unstrut gehörten zu den Baustellen. Mit 64 Jahren, gesundheitlich angegriffen, entschied er sich für die wohlverdiente Rente.
Waltraud Brause entstammt einer landwirtschaftlich geprägten Familie, wurde 1935 in Crimmitschau geboren. Die Freude am Beruf, dem sie nach Abschluss der 8. Klasse frühzeitig nachging, wurde ergänzt durch ein erfülltes Familienleben, dem sieben Enkel und inzwischen auch mehrere Urenkel zuwuchsen. Die Ehepartner betätigten sich in der Sportgemeinschaft Traktor Schweinsburg lange Zeit sportlich, sie beim Schwimmen, er im Ringen, anfangs aktiv, dann zehn Jahre als Übungsleiter.