MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Liane und Wolfgang Schmidt
„Es gibt Freuden für jedes Alter und Genüsse für jede Stunde der Geister.“ (Friedrich von Schiller)
Bundweber
Tapezierer, Meister der volkseigenen Industrie
Fröbelstr. 3
04736 Waldheim
Fon: 034327 / 53249
Der Vater von dem 1941 geborenen Wolfgang Schmidt übte einen heute nicht mehr vorhandenen Beruf aus, war Stellmacher. Sein Sohn wollte nicht in seine Fußstapfen treten und erlernte nach der Schulzeit einen indessen auch nicht mehr erlernbaren Beruf, wurde Tapezierer (heute vergleichbar mit Innendekorateur). Acht Jahre hatte er zuvor die Schulbank gedrückt, sie mit 14 Jahren verlassen und bei Meister Steinbach in Leisnig die dreijährige Lehre angetreten. Ein Jahr arbeitete er nach Ausbildungsende als Geselle. Dann meldete er sich zum freiwilligen Dienst in der Armee (1959–1962) und wurde danach im VEB Sitzmöbelwerke Waldheim tätig. „Das war einer der bekanntesten Betriebe in der DDR. Wir haben alles bestuhlt, was ‚Rang und Namen hatte’, wie den Palast der Republik, den Friedrichstadtpalast, die Semperoper, die Komische Oper, Schauspielhäuser....“ berichtet er und davon, dass es heute dieses Werk nicht mehr gibt. Trotzdem zur DDR-Zeit viele Export in nichtsozialistische (also kapitalistische) Länder erfolgte, überlebte das Werk die Wende nicht. Was zuvor zu niedrigsten Preisen angeboten wurde um Devisen für die DDR zu erlangen, konnte bei marktwirtschaftlicher Preisgestaltung keine größeren Absatzmärkte mehr erreichen. Zudem fehlten die Erfahrungen um sich im Vertrieb zu behaupten. Nach einem Jahr Arbeit als Polsterer arbeitete Wolfgang Schmidt als Technologe, besuchte die Meisterschule und qualifizierte sich zum Meister der volkseigenen Industrie. 1963 lernte er im Betrieb seine Frau Liane kennen. Ein Jahr später heiratete das Paar. Sohn Lutz, 1964 geboren, wurde später Bergmann und sorgte für ein Enkelkind. Der frischgebackene Meister Schmidt wurde nun als Bereichsleiter in der Polsterei eingesetzt, erlebte so die politische Wende in der DDR. Es folgte die Teilung des VEB Sitzmöbelwerke und entstanden vier neue Betriebe mit unterschiedlicher Ausrichtung. In der Sachsenpolster GmbH Waldheim blieb Wolfgang Schmidt weiter tätig, arbeitete als Produktionsleiter bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand im Jahr 2001. Ehefrau Liane war zu dem Zeitpunkt schon zu Hause. 1936 wurde sie als Tochter einer Hausfrau und eines Taxiunternehmers geboren. Friseurin wäre sie gerne geworden. Doch letztendlich lernte sie nach Abschluss der 8. Klasse drei Jahre einen Beruf im VEB Textilwerk Hartha, wurde Bundweberin. Ab 1956 blieb sie ¬ auf Grund erster Ehe und der Geburt zweier Kinder vorerst zu Hause. Nach sieben Jahren endete diese Beziehung und die allein erziehende Mutter arbeitete erst in einer Textilfirma als Näherin und Büglerin, dann kurzfristig in Aushilfstätigkeit im Kinderferienlager des Sitzmöbelwerkes, bevor sie in der Polsterei Arbeit erhielt. „Eine sehr schwere Arbeit mit Handnäherei für offene Stellen am Polster....“ berichtet sie davon. Sie kündigte, fing bei der HO (Handelsorganisation) als Verkäuferin an und blieb 17 Jahre so tätig – bis zur Wende. Sie hatte viel Freude im neuen Beruf und liebte den Einkauf der Waren genauso wie den Verkauf an die Endverbraucher. Der einzige Wermutstropfen war der Mangel und die Zuteilung in der DDR-Wirtschaft. Nach der Wende trat sie über den Vorruhe- in den Ruhestand. Die Schmidts sind stolz auf ihren gemeinsamen Sohn und die über fünf Jahrzehnte ihrer Ehe mit gemeinsamen Herausforderungen und schönen Erinnerungen. Heute verbringt Liane Schmidt ihre freie Zeit viel vor dem Fernseher bei Serien und Sportübertragungen. Der ehemals aktive Fußballer Wolfgang Schmidt beschränkt seine Sportleidenschaft indessen auch auf des Ansehen von Veranstaltungen. Im Jahr 2017 blickte er auf über 40 Jahre Sittichzucht zurück. Er ist nach wie vor engagiert im Gartenverein Richzenhain e. V, und fährt zu vielen Skat-Turnieren. Zur lieben Tradition für die Eheleute sind die gemeinsamen Geburtstagsrunden mit drei befreundeten Familien geworden. 25 Jahre fuhr das Ehepaar (bis 2017) in den Urlaub nach Bayern. Liane Schmidt mag jedoch die langen Autofahren nicht mehr und ein Flugzeug möchte sie nicht besteigen. So wäre eine Schifffahrt auf dem Fluss vielleicht noch einmal eine schöne Alternative, überlegt Wolfgang Schmidt. Er ist seit jeher ein Organisationstalent. Da dürfte eine entsprechend Planung kein Problem werden.