MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Petra Schmidt

Geben statt nehmen

Petra Schmidt

Doppelreihe 65
06849 Dessau-Roßlau
Fon: 0340 / 8500522

Das Mädchen Petra Köhler wurde 1951 als Tochter einer Straßenbahnschaffnerin und eines Schlossers geboren. Den Vater lernte sie nicht kennen, wuchs mit Stiefvater und als eins von sechs Kindern in einem dadurch nicht gerade begütertem Haushalt auf. Das war dann auch der Grund, dass die Mutter für sie entschied mit der 8. Klasse die Schulzeit zu beenden und sie selbst für sich keine Berufswahl treffen konnte. Die Mutter nahm sie einfach an die Hand, führte sie zu einem Bäckereigeschäft und teilte ihr mit, hier würde sie von nun an lernen. Knapp 14 Jahre war sie damals alt, mit 17 Jahren hatte sie ausgelernt, blieb erst im Lehrbetrieb und bewarb sich dann in der Konsumbäckerei Dessau. Im 3-Schichbetrieb war sie in dieser Großbäckerei tätig, was ihrem Bestreben Arbeit und Freizeit so zu verbinden, dass sie ihre Jugend noch ausleben konnte, entgegenkam. Geheiratet hat sie erst sehr spät (1995), den Richtigen dafür erst 1986 gefunden. Rudolf Schmidt (Kranfahrer beim Wohnungsbaukombinat, verstorben 2009) war zu diesem Zeitpunkt bereits Witwer und brachte drei Kinder mit in die Patchworkfamilie ein. Zur Tochter Simone, die heute auch noch in Dessau wohnt, hat Petra Schmidt besonders guten Kontakt und kann sich über ein Enkelkind freuen. Beruflich hatte sie sich in der Konsumbäckerei gut entwickelt, stieg die Karriereleiter bis zur Schichtleiterin auf mit einem Lohn von 680-700 DDR-Mark (damals als guter Verdienst geltend). Anfang 1989 musste sie aus familiären Gründen (schwere Erkrankung der Schwiegermutter) verkürzt und in Normalschicht arbeiten, was ihr nach der Wende zum Nachteil gereichte. Die Entlassungswelle rollte durch alle Betriebe, auch durch die Konsumbäckerei und gehen mussten als erstes die Arbeitskräfte, die zuletzt gekommen waren und die, die verkürzt arbeiteten. So war auch Petra Schmidt unter den Betroffenen. 1992 war für sie Schluss. „Egal, du findest wieder was.....“ dachte sie zuerst und ahnte nicht, dass für sie diese Chance, obwohl erst 41-jährig, nicht mehr kommen würde. Sie „tingelte“ dann durch verschiedene Jobs, arbeitete kurz in einer Fleischerei, bis diese wieder schloss. Vorübergehend in einem Kiosk, bis sie 1994 in einem Autohaus stundenweise Beschäftigung als „Mädchen für alles“ fand und von Reinigung bis zu Büroarbeiten erledigte was getan werden musste. Immerhin 19 Jahre konnte sie hier bleiben, doch die stundenweise Beschäftigung statt einer Vollbeschäftigung sorgte dafür, dass sie für die Rente nicht mehr viel tun konnte. Wenn die Wende nicht gekommen wäre, würde sie wohl ihr ganzes Berufsleben in der Großbäckerei verbracht haben. Die Arbeit gefiel ihr, der Zusammenhalt war gut, es fehlte ihr an nichts, erzählt sie. Heute lebt sie im Haus das ihr verstorbener Mann einst kaufte und sie mit ihm seit 1986 bewohnte. Hier hat sie ihre Beschäftigung. Der Garten ist nicht zu groß, reicht aber auch für Eigenanbau von Obst und Gemüse und die Freude an der Ernte. Sie ist glücklich echte Freunde zu haben und trotzdem froh darüber beizeiten gelernt zu haben sich auf sich selbst zu verlassen. Besuche im „Anhaltinischen Theater Dessau“ mit Freunden und Bekannten (Konzerte oder Operetten) verschönern den Alltag. Rätseln ist ihre Leidenschaft und gleichzeitig Gehirnjogging. Und wenn sie all das vielleicht nochmal mit einem Partner teilen kann: das wäre schön. Sie war und ist immer für andere da. Heiligabend steht sie an der Seite derer, die für ca. 100 einsame Menschen ein Beisammensein organisieren, Wärme, Geborgenheit und Freude geben – seit 8 Jahren! Geben war ihr immer wichtiger als nehmen.
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