MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Jürgen Schmidt
2 ½ Millionen
Berufskraftfahrer i. R.
99092 Erfurt
Während seines Berufslebens legte er knapp 2 ½ Millionen km zurück und noch heute ist es für ihn unvorstellbar, ohne Schaltknüppel oder fahrbaren Untersatz zu existieren. Jürgen Schmidt, geboren am 01.04.1939 in Erfurt, hat Benzin im Blut und ist stolz auf seine einstige Tätigkeit. Im Rahmen seiner Entwicklung bekam er zwei Diplome übergeben – einmal von der DDR sowie einmal von der BRD. Und für 50 Jahre unfallfreies Fahren verlieh ihm die Verkehrswacht das „Goldene Lorbeerblatt“.
Vater arbeitete bei der Spedition Julius König. Bei gleicher Spedition nahm Jürgen Schmidt 1953 seine Lehre zum Kfz-Mechaniker auf und erhielt schon mit 17 Jahren die Fahrerlaubnis. Aus privat wurde der VEB Deutsche Spedition und für diesen fuhr er die Zugmaschine „Primus“. Andere Fahrzeuge blieben ihm vorerst verwehrt, da er noch nicht 18 Jahre alt war.
Um sich insgesamt zu verbessern, wechselte Jürgen Schmidt 1959 zum Kraftverkehr, war in der gesamten Republik unterwegs und durfte ab 1961 auch das kapitalistische Ausland befahren. Die Freude währte nur kurz. Mit dem Mauerbau am 13. August jenes Jahres war diese kurze Etappe schon wieder beendet. Erneut widmete er sich mit seinem S 4.000 dem DDR-Verkehr und erhielt in nebenberuflicher Ausbildung den offiziellen Abschluss als Berufskraftfahrer.
Nach Armeedienst 1965 befuhr er das sozialistische Ausland, erhielt 1970 einen LKW Skoda und endlich auch wieder die Chance, das kapitalistische Ausland zu befahren. U. a. führten die Touren nach Frankreich, Griechenland, Italien oder in Benelux-Länder.
Die Wendezeit machte sich vorerst nicht bemerkbar. Zwar entfiel ein Hauptauftraggeber, doch mit neuem Mercedes-Laster wurde in den Folgejahren für alle großen Speditionen gefahren. 1999 begab sich Jürgen Schmidt nach 45 Berufsjahren in den Ruhestand, half bis 2005 jedoch noch vereinzelt im Unternehmen aus.
Seit 1960 mit seiner Helga verheiratet, war sie als Näherin am Thüringer Bekleidungswerk tätig. Für ihre drei Söhne Dieter, Andreas und Frank pausierte sie eine Dekade, begann 1970 im Bereich Röhrenaufbau des Funkwerkes und wechselte 1975 in den Entwicklungsbereich. Erst 48 Jahre alt, wurde ihr die Wende vorerst mit Arbeitslosigkeit zum Verhängnis. Doch sie machte aus der Not eine Tugend. Schmidts Eigenheim war 1975 fertig gestellt. Nun nutzte sie die häuslichen Möglichkeiten für eine kleine Pension und bis heute können Interessierte bei ihr Räumlichkeiten buchen.
Helga und Jürgen Schmidts Familie wuchs um sieben Enkelkinder und auch als Großvater hat Jürgen Schmidt noch immer Benzin im Blut. Die 2 ½ Millionen km hat er ganz sicher geschafft, lediglich die Fahrzeuge verkleinerten sich.