MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Manfred Schmidt
„Uns hat keiner was geschenkt“
Str. des Friedens 29
06780 Schrenz
Fon: 034956 / 25430
Manfred Schmidt, 1943 geboren, erzählt von seinen Wurzeln in Polen und Galizien. Von der Flucht der Familie vor den Russen und dass er Halbwaise wurde, weil sein Vater im Krieg gefallen war. In Niemegk bei Bitterfeld erhielt die Mutter eine kleine Siedlung für den Neuanfang, bevor sie in Schrenz eine andere Wirtschaft übernehmen konnte, zu der auch 8 ha Land gehörten. Von ihren drei Kindern hatte der acht Tage alte Bruder von Manfred die Flucht nicht überlebt. Den 14 Jahre älteren und ihn selbst galt es nun zu versorgen. 1950–1958 besuchte Manfred Schmidt die Schule, verspürte jedoch keinen Wunsch auch in der Landwirtschaft tätig zu werden. Die Wirtschaft der Mutter war indessen in eine LPG integriert und diese Aufgabe der Selbstständigkeit lehnte er ab. So lernte er Maurer (1958–1961) im Bau- und Montagekombinat Bitterfeld, ging im Anschluss auf Montage – dahin, wo große Industriebauten geplant waren –, unterbrochen von seinem pflichtgemäßen Armeedienst (1964–1966). Doch was als ungebundener junger Mann Abenteuer mit gutem Verdienst war, wurde zur ungewollten Trennung, als er seine spätere Frau Ilona (geb. 1948, Stenotypistin) an seiner Seite hatte. Er wollte sesshaft werden, kehrte in den Betrieb als Mauerer zurück und wechselte in das Chemiekombinat Bitterfeld (CKB) in den Schichtdienst, weil ein Verdienst von 530 Mark nicht ausreichend für seine Familienplanung war. 1968 heiratete er, im gleichen Jahr wurde Sohn Steffen geboren (Dipl.-Agrar-Ing.), zwei Jahre später Tochter Monika (Dipl.-Agrar-Ing.). Bis 1969 blieb er im CKB, nahm dann die Arbeit in der LPG auf. Zwar als Mauerer eingestellt, wurde er überall eingesetzt, wo Not am Mann war. Er kam ja aus der Landwirtschaft, kannte sich aus, war fleißig und willig, denn er wollte vorwärts kommen, viel Geld verdienen. Alles, was ihn seinem Ziel näher brachte unternahm er: In der Feldbearbeitung (Beregnung, Heizung) der Gärtnerei Rieda arbeitete er, als privater Pächter des Kulturhauses der LPG (1977–1978) war er aktiv. Während er Wintermonate im Schlachthof arbeitete, führte er in der Sommersaison an der Ostsee einen Kunstgewerbeladen, parallel einen Kartoffelpufferstand und zeitweise einen Eisenwarenladen und einen Broilerkiosk. Alles mit Unterstützung seiner Frau, die jede seiner Ideen mit trug und mit realisierte. Als dann sein neues Projekt vorsah, eine Nerzfarm zu gründen und die gesamten Familienersparnisse investiert werden sollten, war sie erstmals unsicher. Doch ihr Vertrauen wurde belohnt – auch dieses Geschäft erfolgreich 10 Jahre lang geführt – bis zur Wende. Aufwand und Nutzen standen nun nicht mehr im Übereinklang. Doch Manfred Schmidt wäre nicht er selbst gewesen, hätte er keine Lösung parat gehabt für die Zukunft. In all den Jahren hatte die Familie nebenher Hühner und Schweine gehalten, nun besann sich Manfred Schmidt auf seine Wurzeln, verlegte sich wieder auf die Landwirtschaft. Mit dem Aufkauf von DDR-Technik – die mit der Wende keiner mehr wollte und die deshalb günstig zu erlangen war – startete er durch. Aus 8 ha Land machte er durch Zukauf 160 ha Nutzfläche. Und wie in allem, war er auch hierbei wieder überdurchschnittlich erfolgreich. „Ich hatte im Leben so viel Glück“ sagt er, aber aus seiner Geschichte liest man: Glück hat nur der Tüchtige! 2004 hat er den gut etablierten Betrieb an seinen Sohn übergeben. Der Betrieb besteht derzeit aus 300 ha Ackerfläche, davon wurden 200 ha privat erworben, der Rest ist Pachtland. Manfred Schmidt widmet sich jetzt seinen beiden Pferden, baut und werkelt an eigenem Grundstück und dem Bauernhof der Tochter, hilft seinem Sohn und freut sich über seine drei Enkel. Man kennt die Schmidts nicht ohne Beschäftigung und erinnert sich, dass früher nachts um 23 Uhr noch die Eimer auf dem Grundstück klapperten. Nur so haben sie alles erreicht und müssen sich über das Auskommen der Familie keine Sorge machen – wenn alle gesund bleiben.