MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Manfred Schmidt
Mit 40 hatte er alles erreicht, mit 52 musste er neu beginnen
Sandbreite 11
39261 Zerbst
Fon: 03923 / 783624
Der 1938 geborene Manfred Schmidt wurde kriegsbedingt dreimal eingeschult: 1944 im Herbst, 1945 im Frühjahr und 1945 im Herbst. Er erlebte noch die Schule mit 8 Klassen in einem Raum, dann als „Fortschritt“ den Unterricht getrennt nach Klasse 1–4 und Klasse 5–8. Gerne wäre er Matrose geworden, doch die Mutter wollte das nicht. Von ihren acht Matrosen-Brüdern hatte nur einer den Krieg überlebt. Für den zweiten Berufswunsch Schiffsbauer fand er keinen Ausbildungsplatz. So besuchte Manfred Schmidt die Oberschule und studierte im Anschluss Maschinenbau und Landtechnik (1955–1958). Sein erster Einsatz als Ingenieur erfolgte als Assistent des technischen Leiters in der MAS Groß Molzahn. Er erinnert sich noch genau an die Höhe seines ersten Gehaltes: Mit Grenzzuschlag 565 Mark. Nach knapp zwei Jahren in die MTS, später RTS und Kreisbetrieb für Landtechnik (KfL) delegiert, arbeitete er hier als Technischer Leiter und Abteilungsleiter bis 1975. In den siebziger Jahren führte ein weiteres Studium zum Abschluss als Dipl.-Ing. für Landtechnik. Mit seinen fachlichen Voraussetzungen und praktischen Erfahrungen stand er 1975–1983 dem KfL Stendal als Betriebsleiter vor, bis er 1983 in das Kombinat Landtechnik Zerbst als Produktionsdirektor versetzt wurde. Ehefrau Anna (geb. 1939) spricht die vielen Umzüge an, die mit den Tätigkeitswechseln ihres Mannes einhergingen. Zum Glück, so sagt sie, gab es damals keine Arbeitslosigkeit. Mit jeder neuen Delegierung ihres Mannes erhielt die gelernte Verkäuferin einen Überleitungsvertrag in ihre neue Arbeitsstelle. Zum Zeitpunkt der Wende war sie stellvertretende Kaufhallenleiterin einer Zerbster Kaufhalle und im Zuge der Umstrukturierungen in der „dritten Entlassungswelle“ bei den freigesetzten Arbeitskräften. Manfred Schmidt nahm sein Schicksal in die eigenen Hände, nachdem er schnell erfasste, wie die Arbeit der Treuhand funktionierte und sich ausrechnete, dass seine Zukunft in Abhängigkeit ungewiss sein würde. So privatisierte er mit einem Kollegen den Betrieb, gründete im Juni 1991 mit diesem Partner (Engelmann) den Maschinenhandel Landa E/S GmbH. Als Werksvertretung für sechs Firmen wurden an fünfzig Händler Landmaschinen verkauft. Hohe Kredite drückten, fehlende Zahlungsmoral oder Verluste durch Firmenpleiten stellten die mutige Entscheidung zur Selbstständigkeit in Frage. Manche Nacht wurde diskutiert, gerechnet, geplant. Anna Schmidt hatte großen Anteil an der guten Entwicklung, sorgte in der Buchhaltung dafür, dass eine Zeit erreicht wurde, in der schwarze Zahlen geschrieben werden konnten. Doch die Anstrengung, Verantwortung und Mühe hatte ihren Preis. Manfred Schmidt erkrankte, musste sofort die Arbeit einstellen, seine Firmenanteile an seinen Partner verkaufen (1998). Fortan konzentrierte er sich auf sein Hobby, die Imkerei und die gesellschaftliche Arbeit für Senioren. Er ist stolz auf das Erreichte, vor allem aber auf seine Familie, mit den Kindern Hans-Jürgen (geb. 1957), Regina (geb. 1959), Petra (geb. 1960), Jörg (geb. 1962), die fünf Enkel und drei Urenkel und wünscht sich noch viele gemeinsame und gesunde Jahre mit seiner Frau.