MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Helmut Schmidt
Ein Schmied, der den Fußball und das Boxen liebt
Schmied
07589 Rothenbach
Ursprünglich wollte er immer Autoschlosser werden. Dieser Berufswunsch reifte bei Helmut Schmidt aus Ottendorf in Thüringen schon als Kind. Denn sein Großvater war Schlossermeister und betrieb eine Schlosserei. Helmut Schmidt ließ sich aber zum Schmied ausbilden. Zur Welt gekommen 1932 in Ottendorf im Kreis Stadtroda, ging er dort acht Jahre lang zur Schule. Seine Mutter war Hausfrau, der Vater gelernter Weber und blieb im Krieg. Er galt als vermisst, bis heute weiß Helmut Schmidt nichts über das Schicksal seines Vaters. Nachforschungen beim Deutschen Roten Kreuz waren ohne Erfolg geblieben. Nach der Volksschulzeit lernte Helmut Schmidt in Gera bei einem Schmied drei Jahre das Handwerk. Durch einen Schulfreund hatte er erfahren, dass dort Lehrlinge gesucht würden. Während seiner Ausbildungszeit wohnte er bei seinem Großvater väterlicherseits, weil dieser bei Gera beheimatet war. Ein halbes Jahr arbeitete Helmut Schmidt in seinem privaten Ausbildungsbetrieb. Für die Arbeitsstunde gab es nur 90 Pfennige, mehr nicht. Der junge Mann wechselte zur Wismut nach Oberschlema. 500 Mark Monatsverdienst brachte er nach Hause. „Manche Brigade hatte pro Nase weitaus mehr, 2000 bis 3000 Mark im Monat“, erinnert er sich. Um mehr Geld in der Lohntüte zu haben, qualifizierte sich Helmut Schmidt und besuchte einen Lehrgang in Schneeberg. Er durfte sich nun Radiometrist nennen. Ein gutes Jahr blieb er bei der Wismut, fing danach in Hermsdorf im Holzbau als Schlosser und Schmied an. Inzwischen mit Ruth verheiratet (Hochzeit 1952, Arbeit im Büro bei Vater als Zimmerer) und Vater einer Tochter, führte ihn sein beruflicher Weg nach Köln, zunächst in eine Kupferkesselschmiede, dann in eine Gummifabrik, wo er den Kapitalismus in seiner schärfsten Form kennenlernte. Helmut Schmidt sprach von „übelster Ausbeutung“, blieb nicht dort, sondern stieg bei einem englischen Unternehmen für Glanzstoffe ein, das Fäden für Cordhosen herstellte. Seine Frau, die nach Tochter Gudrun inzwischen Sohn Joachim zur Welt gebracht hatte, drängte ihn, endlich wieder in die thüringische Heimat zurückzukommen, um bei der Familie zu sein. Helmut Schmidt kaufte sich einen alten Pkw Opel Olympia für 700 Mark, mit dem er während seiner Heimreise allerlei Reparaturen erleben durfte. Er arbeitete in Münchenbernsdorf als Kraftfahrer einer Teppichfabrik, dann in der zentralen Schlosserei. Dort brachte er es nach einer Weiterbildungsmaßnahme bis zum Brigadeleiter, der Verantwortung für 18 Beschäftigte trug, darunter auch eine Handvoll Lehrlinge. Er war viele Jahre aktiv bei der freiwilligen Feuerwehr tätig und wurde mit einer Ehrenurkunde für eine 60-jährige Zugehörigkeit der Freiwilligen Feuerwehr ausgezeichnet, was wohl noch keiner erreicht hatte in Thüringen. Helmut Schmidt drehte Super 8 Filme. Gedreht wurde bei Anlässen in heimatlichen Dörfern z. B. Maibaumsetzen, Verlegung von Rohrleitungen im Dorf oder auch Urlaubsfilme mit der Familie. Neben seiner beruflichen Tätigkeit wurde auch noch Landwirtschaft betrieben, mit Kühen, Hühnern und Bullenzucht die auch zum Export nach Westdeutschland gingen. Die selbst hergestellte Butter und Buttermilch waren in der Umgebung sehr beliebt. Die Tage hätte doppelt so viel Stunden haben können. Sein Leben war arbeitsreich und anstrengend, brachte aber auch viel Freude mit der Familie bzw. Kindern., Enkeln und Urenkeln. Zur Familie gesellten sich zwei weitere Töchter (Barbara und Ina). Inzwischen leben drei Kinder im Westen (Würzburg und Darmstadt), nur Barbara ist in Thüringen geblieben (Gera) und kommt öfter zu Besuch. Fußball und Boxen sowie Angeln hat Helmut Schmidt in jüngeren Jahren geliebt. Er will noch lange gesund bleiben.