MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Friedel Schmidt
Mit Leib und Seele Heimerzieher
Friedel Schmidt
Heimerzieher
99869 Drei Gleichen OT Mühlberg
Über mehrere und dabei ganz verschiedene Umwege kam Friedel Schmidt zu seinem Beruf als Heimerzieher, den er mit Leib und Seele ausübte. Dabei wollte der heutige Rentner aus Mühlberg, einem Ortsteil von Drei Gleichen in Thüringen, ursprünglich Fernmeldemechaniker werden. In Mühlberg wohnt er mit seiner Ehefrau Monika (Lehrerin, Erzieherin, Bürotätigkeit bis zur Rente), mit der er seit 1987 verheiratet ist, eine Tochter (Antje, geboren 1981) und inzwischen auch zwei Enkelkinder hat. Geboren 1943 in Schleusingerneundorf, ging er von 1950–1958 in Mühlberg zur Schule. Eine nach der 8. Klasse begonnene Lehre zum Elektriker musste er abbrechen und auch eine Laufbahn bei der Nationalen Volksarmee anzutreten, blieb ihm versperrt. Der Grund dafür war eine Augenerkrankung. Friedel Schmidt stieg bei der FDJ-Kreisleitung in Gotha ein, nachdem er in Wilhelmsthal bei Eisenach ein halbes Jahr die Bezirksjugendschule besucht hatte. Er arbeitete ein Jahr als Instrukteur, bis ihn die FDJ-Kreisleitung nach Schwedt zum Aufbau des Erdölwerkes delegierte. Er machte zwei Jahre Jugendarbeit und sammelte zudem Erfahrungen als Dreher in der Werkstatt des Schwedter Werkes. Es folgten dann weitere Jahre auf Montage, in Leuna und Schwarze Pumpe, um gutes Geld zu verdienen. Friedel Schmidt wollte eigentlich raus aus der Montage und nach Thüringen zurück. Dies klappte auch, aber es folgten nochmals Jahre auf einer Baustelle, und zwar an der Ohratalsperre in Luisenthal. Durch das Amt für Arbeit wurde er dann zur Handelsorganisation (HO) vermittelt und leitete zwei Jahre ein Geschäft für Elektrowaren. Aber auch hier fand einer wie Friedel Schmidt keine berufliche Erfüllung. Berufsbegleitend qualifizierte sich der Thüringer zum Wirtschaftskaufmann und arbeitete im Ausbau Gotha in der Materialwirtschaft. Weil er keine Wohnung bekam, suchte er durch Kontakte eines Bekannten Mitte der 1970er Jahre sein Glück in Sachsen – zunächst in einem Betrieb in Freital in der Materialwirtschaft, später als Erzieher in einem Lehrlingswohnheim. Friedel Schmidt sah sich beruflich angekommen, studierte extern am Institut für Jugendheimerzieher in Hohenprießnitz bei Eilenburg in Sachsen. Während seines Fernstudiums erhielt er den Parteiauftrag, als Erzieher im Edelstahlwerk–Lehrlingswohnheim Freital zu arbeiten. 1984 kehrte er nach Thüringen zurück. Er arbeitete zunächst als Erzieher im VEB Mikroelektronik Erfurt, später als Heimleiter eines Lehrlingswohnheims für HO-Gaststätten. Darüber hinaus unterrichtete er nebenamtlich als Fachschulkonsulent Pädagogik / Psychologie am Institut für Heimerziehung. Zur Wendezeit übernahm die Stadt Erfurt das Lehrlingswohnheim und änderte die Strukturen. 1993 folgte Friedel Schmidts Entlassung als Heimleiter wegen angeblicher Zusammenarbeit mit der Stasi. „Natürlich ging bei mir aufgrund meiner Leitungsfunktion die Stasi ein und aus, das war zu DDR-Zeiten überall so“, macht er klar. Danach engagierte sich der Erzieher beim Kreisvorstand der PdS (DIE LINKE) und beim Deutschen Roten Kreuz (DRK), baute den Landesverband Erfurt mit auf, arbeitete auch als Bildungsreferent und leitete im Ehrenamt einige DRK-Kinderferienlager. 1995 war Friedel Schmidts Berufsleben beendet, er war erneut entlassen worden. Als Arbeitsloser hat er noch einige Jahre an Maßnahmen des Arbeitsamtes teilgenommen, ging 2004 in Rente. Heute ist er glücklich, eine intakte Familie zu haben. Schaut er auf sein Leben, erklärt Friedel Schmidt: „Ich war mit Leib und Seele Heimerzieher“.