MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Irene Schmidt

Unter Leuten

Verkäuferin
Nordsiedlung 4
07819 Triptis

Als der Supermarkt noch Kaufhalle hieß, die Konsum-Genossenschaft die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und Waren des täglichen Bedarfs sicherte, waren viele Gesichter Irene Schmidt stetig vertraut, auch wenn sie den Namen der Menschen nur selten kannte. Verkäuferin war ihr Traumberuf, doch für die 1934 in Bodelwitz, nahe der thüringischen Stadt Pößneck Geborene fand sich in jenen Jahren nach Kriegsende keine Lehrstelle. So startete sie ihr Berufsleben als Hilfsarbeiterin in jener Textilfabrik, in der auch ihre Mutter wirkte, der Vater war im Krieg geblieben. Mit der Heirat 1954 wechselte sie nach Lichtenau bei Neustadt an der Orla, wo die Schwiegereltern in der Landwirtschaft zu Gange waren. 1960 kam im Zuge der Kollektivierung in der DDR-Landwirtschaft die Gründung der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG), der sie und ihr Mann beitraten (die Schwiegereltern verweigerten sich). Aber da Ehemann Karl als Bürgermeister des Ortes fleißig war, blieben die Arbeitseinheiten für die Genossenschaft an ihr hängen. Als 1969 Karl Schmidt zum Bürgermeister der Stadt Triptis aufstieg, entschied sie sich mit dem Ortswechsel, nun doch als Verkäuferin tätig zu werden, fing beim Konsum an und konnte sich per Erwachsenenqualifizierung beruflich weiterentwickeln. Während ihr Gatte nach zwei Jahren als Instrukteur beim Rat des Kreises in Pößneck eingesetzt wurde, dann zum Vorstand das Verbandes der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter (VKSK) nach Gera wechselte, hielt sie im Wohnort Triptis die Stellung, sicherte den Familienzusammenhalt. Eine Tochter, dann zwei Söhne und inzwischen drei Enkel bereicherten ihr Leben, das bis heute durch familiäre Nähe geprägt ist, auch wenn die Liebsten inzwischen nach Berlin, Ulm und München verstreut sind. Mit ihrem Mann, der bereits 1999 verstarb, hatte sie in den siebziger Jahren das Haus mit Garten erwerben können. Aber da Karl Schmidt in staatlichen Funktionen wirkte, war kein Schwarzbauen angesagt, auch wenn manche Versuchung nahe lag. Erst ab 1990, als mit dem Ende der DDR neue Baumärkte Material in jeder Menge anboten, konnte mit viel Eigenleistung das Haus auf Vordermann gebracht werden, zumal beider Vorruhestand auch mehr zeitliche Optionen bot. Noch heute ist Irene Schmidt gern unter Leuten, freut sich an den regelmäßigen Begegnungen im Rahmen des Seniorentreffs der Volkssolidarität.
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