MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Prof. Dr. Gerhard Schmid
Archivar von Profession
Archivar
Brucknerstraße 19
99423 Weimar
Fon: 03643 / 904485
Und vor allem mit Leib und Seele, obwohl dies nicht annähernd ausdrückt, was der Beruf beinhaltet. Es gehört schon eine fundierte Ausbildung und ein großes Maß an historischem Interesse dazu, diese Aufgabe mit Leben zu erfüllen. Hinter allen archivierungswürdigen Dokumenten verbergen sich Geschichten, die zum Inhalt der Geschichte werden. Für Prof. Dr. Gerhard Schmid machten auch diese kleinen Histörchen immer den Reiz an der Arbeit als Archivar aus, die er mit Akribie und Hingabe seit 1953 bis zur Pensionierung 1993 ausübt. Auch heute noch ist er überzeugt, den schönsten Beruf der Welt zu haben.
Gerhard Schmid, 1928 in Greiz geboren, stöbert schon als Schüler im Archiv der Oberschule, und auch die alten Kirchenbücher, die ihm der Vater zeigt, faszinieren ihn. Doch die Kindheit hört abrupt auf, denn er gehört zu der Generation, die kurz vor Kriegsende noch in die Wehrmachtsmaschinerie gerät. Die Erlebnisse als Flakhelfer prägen ihn nachhaltig. Nach dem Krieg erinnert sich Gerhard Schmid seiner Interessen, und er beginnt 1947 in Jena ein Studium für Geschichte, Kirchengeschichte und Germanistik. Die Anforderungen sind sehr anspruchsvoll, doch der junge Mann brennt nach Wissen, und er hat klare Ziele. Noch während der Promotion beginnt er ein weiteres Studium, in Potsdam schreibt er sich postgradual am neu gegründeten Institut für Archivwissenschaft ein. In unmittelbarer Nähe befindet sich auch das Deutsche Zentralarchiv, das für die nächsten 17 Jahre sein Arbeitsplatz wird. Die Archivwissenschaft steckt noch in den Kinderschuhen, und Dr. Schmid trägt wesentlich dazu bei, sie weiterzuentwickeln. Neben seinen täglichen Aufgaben unterrichtet er Aktenkunde an der Fachschule für Archivwesen, am Institut ist er als Lehrbeauftragter dafür eingesetzt. 1970 entschließt sich Dr. Schmid, mit seiner im gleichen Beruf tätigen Ehefrau nach Weimar an das Goethe-Schiller-Archiv zu wechseln, um dem stärker werdenden ideologischen Druck in den Staatsarchiven auszuweichen. Die Aufgaben sind hier nicht minder interessant, und schnell erkennt man an diesem Haus das Potenzial des engagierten Mannes. Er wird zunächst stellvertretender Direktor, ab 1991 Direktor des Archivs. 1985 wird er zum Honorar-Professor an der Humboldt-Universität Berlin berufen. Im Verband der Archivare, später im Verein deutscher Archivare schätzt man die Kompetenz und aktive Mitarbeit von Prof. Schmid. Für die SPD mischt der bekennende Thüringer in der Landes- und Kommunalpolitik mit.
Seit dem Ruhstand sieht man Gerhard Schmid mit seiner Gattin wieder öfters beim Wandern, bei Vorträgen, in Museen und im Theater. Für Fachveröffentlichungen bleibt auch weiterhin Zeit.