MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Helga und Ernst Schmetzer
Von Ostpreußen an die Elbe
Spinnerin
Walzstraßensteuermaschinist
Weststr. 12
01591 Riesa
Am Sprachfall erkennt man noch immer die ostpreußische Herkunft. Beide wurden dort geboren, lernten sich erst kennen, als sie nach dem Krieg im Sächsischen angesiedelt waren. Als Helga Schwarz kam sie 1933 in Garbassen im damaligen Landkreis Treuburg zur Welt. Viel Zeit für Bildung blieb in Kriegszeiten nicht, die Schule wurde als Lazarett gebraucht. Der Vater blieb im Krieg. Die Familie musste im Winter 1945 die Heimat verlassen, die Flucht vor der Front führte nach Strehla bei Riesa. Hier und zuletzt in Falkenau bei Flöha besuchte die junge Helga wieder die Schule. Dann begann sie als Anlernling in der Spinnerei. Nach der Heirat (1954) zog sie mit nach Riesa, konnte auch dort, unterbrochen von der Geburt der vier Kinder (Wolfgang 1953, Andreas 1956, Ute 1960, Thomas 1965) im VEB Baumwollspinnerei ihren beruflichen Aufgaben mit Zuverlässigkeit nachgehen. Als 1990 der nach dem Ende der DDR als unrentabel eingestufte Betrieb geschlossen wurde, wirkte sie noch an der Auflösung der ehemaligen Arbeitsstätte mit, ging dann bald in Rente.
In Eggleningken (ab 1938 Kiefernberg) im Kreis Pillkallen (ab 1938 Kreis Schloßberg) wurde im Jahr 1932 Ernst Schmetzer geboren. Seine Eltern waren auf dem dortigen Gut tätig. Der Nachzügler im Kreis von vier Geschwistern wurde schon im Alter von sechs Jahren mit angestellt, vom Schulbesuch (den er liebte) einfach zur Arbeit abzogen. Das Pferdegespann führte er schon bald selbständig, auch als es im Oktober 1944 auf die Flucht ging. Den Vater fanden sie zufällig in einer vertrauten Gaststätte wieder. Der junge Ernst brachte ihm zivile Sachen, versteckte ihn im Wagen und ging beim Militär betteln ums Brot. Am 3. 2. 1945 (seinem Geburtstag) ging es über das zugefrorene Haff auf die Nehrung in der Danziger Bucht, dann bis in den Kreis Stolp (Pommern). Im dortigen Örtchen Großmachmin fanden sie Unterkunft, mussten – von der Front überrollt – nun dem russischen Militär dienen. Ein Dreivierteljahr fuhr der gerade Vierzehnjährige einen russischen Kommandanten mit dem Ponygespann, ernährte so die Familie. Als das Militär abzog, waren sie ein Jahr bei polnischen Bauern angestellt, dann wurden sie nach Deutschland ausgesiedelt, fanden sich in Pochra bei Riesa wieder. Statt endlich Ausbildung hieß es weiter Geld verdienen. Ernst Schmetzer arbeitete bei der Fa. Schneider im Hoch- und Tiefbau, sollte in den Bergbau, konnte aber bei einem freundlichen Bauern unterkommen. 1950 begann er im Stahl- und Walzwerk Riesa, konnte sich zum Facharbeiter als Walzstraßensteuermaschinist qualifizieren, blieb vierzig Jahre bis 1990 die Produktion gedrosselt wurde. Das Ehepaar, die diamantene Hochzeit längst hinter sich, freut sich an sechs Enkeln und vier Urenkeln. Ernst Schmetzer war einst fünfundzwanzig Jahre beim SC Riesa im Kegelsport aktiv.