MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Kurt Schlueßing
In drei Berufen bewährt
Meister für Feinoptik, Schneider, Gärtner
Lindenstr. 7
01623 Lommatzsch
Noch immer berührt ihn das grausame Schicksal jener Zwangsarbeiter, die wenige Tage vor Kriegsende, die Front zwischen deutscher und sowjetischer Soldateska wechselte in Lommatzsch mehrmals hin und her, von deutschen Fanatikern niedergemäht wurden. Für den 1933 schon in Lommatzsch geborenen Kurt Schleußing gehören die Blutlachen zu den furchtbaren Kindheitseindrücken. Der Sohn einer Schneidermeisterin ergriff 1948 nach Ende des Schulbesuchs mit der 8. Klasse den Beruf der Mutter, lernte bei Meister Gold in der Heimatstadt. Aber für den jungen Gesellen war der Verdienst zu gering, der Zugang zum Meisterstudium wurde verwehrt. Bei der Optikerfirma „Lehmann & Balzer“ sah es besser aus, Kurt Schleußing sattelte um, machte noch eine Feinoptikerlehre und später in Rathenow seinen Meisterabschluss. Für „Lehmann & Balzer“, später für den Zweigbetrieb von „Carl Zeiss“ Jena arbeitete er viele Jahre, bis eine Erkrankung der Hand ihm die Weiterarbeit im Zweitberuf verwehrte. Dann ermöglichten ihm die Erfahrungen als Kleingärtner den Wechsel in einen dritten Beruf, den er bis zum Renteneintritt ausüben durfte. Mit viel Freude war er nun vor allem in Gewächshäusern für Tulpen und Freesien tätig und Mitglied der Gärtnerischen Produktionsgenossenschaft (GPG) Leuben. Hier konnte er sehr eigenständig agieren, vom Anbau bis zum Verkauf.
Angeregt durch den geschätzten Lehrer Herbert Grund war er von Jugend an mit dem Sammeln und Bewerten von Pilzen vertraut, konnte etwa ab dem 20. Lebensjahr bis zum Rentenalter als Pilzberater für die Kreishygieneinspektion agieren. Kurt Schleußing war zudem begeisterter Fußballer und Skatfreund, seine vierköpfiger Skatklub existiert seit 58 Jahren, heute sind die Gründungsmitglieder nur noch zu dritt. Seine Freude an der Musik konnte er in jungen Jahren als Sopranist in der Kirchenkurrende, dann als 1. Bass im Robert-Volkmann-Chor (Männerchor) ausleben. Zeitweilig half er als Mitglied der städtischen Schiedskommission kleinere Konflikte zu schlichten.
Begleiterin seines Lebens wurde Frau Astrid, die als in der Abteilung Planung beim Betrieb für Obst- und Gemüseverarbeitung tätig war. Zwei Töchter (1959 und 1967 geboren) bereicherten beider Leben, drei Enkelkinder ergänzten die Familie.