MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Christel und Rudi Schleif
Vorfreude auf die Eiserne Hochzeit
Näherin i. R.
Elektromechaniker und Eichberechtigter i. R.
Am Stadtbad 17
04654 Frohburg
Jeden Tag zufrieden in ihrem schönen Heim verbringen und den verständnisvollen Umgang als Ehepaar genießen zu können, macht Christel und Rudi Schleif glücklich. Für sie kann jeder einzelne Tag nicht besser beginnen. Der Frühstückstisch ist liebevoll gedeckt. Eine ganze Stunde gönnen sich die Eheleute beim Start in den Tag und träumen ein wenig von dem großen Fest der Eisernen Hochzeit.
Geboren wurde Christel Schleif am 17.03.1936 in Insterburg / Ostpreußen. Als die Familie flüchten musste, war sie neun Jahre alt und es sollte noch schlimmer kommen. 1947 starb ihre Mutter. Ihr Vater kehrte mit schwerem Herzfehler aus dem Kriege zurück und starb drei Jahre später. Alle sechs Geschwister wurden auf die Verwandtschaft aufgeteilt. Christel Schleif musste schnell Geld verdienen und verdingte sich in einer Bäckerei. Beim Einkauf verliebte sich der junge Rudi in die schöne Angestellte. 1954 wurde Hochzeit gefeiert. Selbst quasi ohne Mutter aufgewachsen, fand sie in ihrer Schwiegermutter eine enge Vertraute und Freundin.
Die Söhne Peter, Frank und Bernd wurden geboren. Christel Schleif arbeitete fortan in einer Matratzen- und Polsterfabrik und eignete sich das Nähen autodidaktisch an. Es lag ihr im Blut. Letztendlich leitete sie die Schneiderei, stieg zur Brigadeleiterin auf und ging 1989 in den Vorruhestand.
Rudi Schleif wurde am 03.05.1934 in Frohburg geboren. Die Kindheit aller sechs Geschwister war von den Härten des Krieges begleitet, doch den Sommer vordergründig im Stadtbad gegenüber des Elternhauses verbringen zu können, bescherte auch fröhliche Stunden.
Im Kombinat Böhlen nahm er seine Lehre zum Elektromechaniker auf und um pünktlich vor Ort zu sein, saß er schon um 4:38 Uhr im Zug. Drei Monate nach Lehrbeginn verstarb sein Vater mit nur 51 Jahren. Doch Rudi Schleif kämpfte sich durch.
Eingesetzt als Waagenbaumechaniker, gehörte er dem Bereich Instandhaltung und Justierung an und arbeitete sich bis zum Eichmeister nach oben. Prüfen durfte er Tragkraft bis zu 10 t, blieb bis zum Schluss im Kombinat und begab sich mit 55 Jahren in den Vorruhestand.
Die Grenzöffnung erlebten die Eheleute hautnah. In Berlin weilten sie, um den Geburtstag ihres dort lebenden Sohnes Bernd zu feiern und ein weiteres Mosaik summierte sich zu den Höhepunkten des Lebens. Doch das Schicksal schlug erneut zu. Sohn Peter starb mit 27 Jahren an Leukämie und wichtig war es, selbst nicht daran zu zerbrechen.
Ehrenamtlich fungiert Christel Schleif seit 1992 als Leiterin einer Rückenschule für Senioren. Selbst derzeit 81 Jahre alt, trainiert sie bis zu 80-jährige Damen, mit denen sie auch plaudert und feiert.
In ihrer großen Familie wurden Christel und Rudi Schleif in der Zwischenzeit Urururgroßeltern und nicht nur deshalb wird die Eiserne Hochzeit zum riesigen Fest.