MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Ingrid Schirach
Noch einmal Fuß gefasst
Lehrerin / Versicherungskauffrau
09669 Frankenberg
„Wenn ich etwas anfange, dann packe ich das auch“, erklärt Ingrid Schirach. Und den Beweis dafür, ist sie nicht schuldig geblieben.
Mit Leib und Seele war die gebürtige Frankenbergerin Lehrerin. Der Tag, an dem sie ihre Entlassung aus dem Schuldienst in den Händen hielt, sei einer der traurigsten gewesen, erzählt sie.
1992 entließ das Land Sachsen Lehrer, die in der DDR leitende Funktionen bekleidet hatten, aus politischen Gründen, auch Ingrid Schirach, die Lehrerin, Direktorin und stellvertretende Kreisschulrätin.
Nach dem Studium am Rochlitzer Lehrerbildungsinstitut unterrichtet sie an der Frankenberger Oberschule II. 1971 wird sie stellvertretende Direktorin.
1982 beginnt Ingrid Schirach in Potsdam ein weiteres Studium und schließt es mit dem Diplom ab. Für kurze Zeit ist sie Direktorin an ihrer „alten“ Schule. 1984 beruft man sie zur stellvertretenden Kreisschulrätin von Hainichen.
Nach der Wende kehrt Ingrid Schirach an die Frankenberger Oberschule zurück. 1992 muss sie wieder gehen. Trotz der Proteste von Eltern und Kindern.
Ein ehemaliger Schüler schlägt ihr vor, in die Versicherungsbranche einzusteigen. Eigentlich möchte sie nicht und sagt doch zu. Sie will nicht Stunden auf dem Arbeitsamt sitzen. Vorübergehend sollte es sein. Doch Ingrid Schirach bleibt und baut sich einen Kundenstamm auf. „Ich habe immer ehrlich beraten“, betont sie. Sie sei stolz, noch einmal Fuß gefasst zu haben.
1993 trifft Ingrid Schirach ein schwerer Schicksalsschlag. Ihr Sohn Karsten verunglückt tödlich. Eine harte Zeit sei das gewesen, sagt sie. „Über Lebensversicherungen oder Unfallversicherungen konnte ich einfach nicht mehr reden.“
Eine Ausbildung zur Versicherungsfachfrau hilft ihr, sich aus der Blockade zu befreien.
Als Selbständige betreibt Ingrid Schirach in Frankenberg und Mittweida Versicherungsbüros.
2004 erkrankt ihre Mutter an Demenz. Ihr Ehemann, Wolfgang Schirach, übernimmt weitgehend die Pflege, kümmert sich gemeinsam mit ihr drei Jahre aufopferungsvoll um die Kranke.
Im Sommer 2010 wird Ingrid Schirach die Frankenberger Filiale übergeben. Das Mittweidaer Büro hat bereits ein Kollege übernommen. Als Rentnerin bleibt ihr dann endlich mehr Zeit für Tischtennis, das sie seit 50 Jahren spielt und für ihr Fernweh. Sie reise für ihr Leben gern, so Ingrid Schirach. Sie seien in den USA gewesen und viele Male in Teneriffa.
Sie sei willensstark und könne organisieren, meint die 63jährige. Letzteres nutze er schamlos aus, gesteht Wolfgang Schirach und lacht. Vor allem bei der Reiseplanung…