MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Renate und Hans Schleicher
Hochzeit auf sozialistisch
Pionierleiterin, Unterstufenlehrerin
06667 Markröhlitz
Das machte Schlagzeilen, damals jedenfalls im Kreis Weißenfels. 1958 – es war die erste sozialistische Hochzeit im Kreis Weißenfels. Die Pionierleiterin Renate heiratete den Busfahrer Johannes Schleicher. Auch heute, nach über 50 Jahren, ist für Renate ihr Hans „mein Ein und Alles“.
Gemeinsam wollen sie ihren Hochzeitstag noch recht oft feiern. Es ist zur schönen Tradition geworden, dass an diesem Tag die Familie zusammenkommt – Sohn Michael, Tochter Gabriele und die drei Enkelkinder Claudia, Anja und Martin – und dass dann das „Goldene Paar“ in Erinnerungen schwelgt an jenes opulente Fest vor 50 Jahren.
Geboren wurde Renate im August 1936 in Goseck. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als viele Schlösser im Osten verlassen worden waren, erhielten auch Renates Eltern angemessenen Wohnraum im Schloss der Grafen von Zech und Burkersroda. 1952 erhielt Renate Schleicher das Zeugnis der mittleren Reife der Seume-Oberschule in Weißenfels. Zur Unterstufenlehrerin wurde sie anschließend während eines zweijährigen Studiums am Institut für Lehrerbildung in Halle und Köthen ausgebildet. Auch Renate Schleicher musste sich zunächst für fünf Jahre als Pionierleiterin verpflichten.
Ein Schulkombinat im Kreis Hohenmölsen war ihr erster Arbeitsplatz. Sie betreute Schüler aus drei Dörfern in drei verschiedenen Schulen. Das ganze Gebiet wurde später als Braunkohle-Nachfolgelandschaft geflutet. Der Mondsee füllt nun die ehemaligen Tagebaue.
Die junge Unterstufenlehrerin kam dann an eine Schule in Naumburg, an der sie 32 Jahre bleiben sollte. Zunächst unterrichtete Renate Schleicher alle Fächer, dann spezialisierte sie sich auf Kunsterziehung. Nur in der eigenen Klasse, die sie jeweils vom ersten bis zum vierten Schuljahr führte, gab sie noch Mathematik und Deutsch.
Pioniernachmittage gestaltete ebenfalls die Klassenlehrerin. So lernten sich Schüler und Lehrerin auch in der Freizeit besser kennen, das gegenseitige Vertrauen wuchs. Auch die Reise in eine Jugendherberge machte allen viel Spaß, obwohl der Vormittag diszipliniertem Lernen vorbehalten war. Eine Laienspiel- und eine Volkstanzgruppe waren beliebter Ausgleich zum Unterricht.
Immer noch laden Schüler ihre Lehrerin zu Klassentreffen ein. Auch das Lehrerkollegium trifft sich alle vier Jahre.
Renate Schleicher hält sich fit und geht einmal in der Woche zum Seniorensport und sie pflegt gemeinsam mit ihrem Mann einen wunderschönen großen Garten. Ihr liebstes Hobby aber ist Lesen. „Die Menschenleserin“ von Jeffrey Deaver ist die derzeitige Lektüre.
Auch Renate Schleicher ist über die Jahre zur erfahrenen Menschenleserin geworden.